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Raaf, Udo. YouTube und MySpace: Durchbruch mit illegalen Inhalten. Und Deutschland muss zuschauen. Tonspion. October 12, 2006.

YouTube und MySpace: Durchbruch mit illegalen Inhalten. Und Deutschland muss zuschauen

Der Informatik-Professor Hendrik Speck erklärt in einem Interview mit Tagesschau.de, warum die Erfolgsgeschichte von YouTube in Deutschland nicht möglich gewesen wäre.

Es tut sich was im Netz: Medienkonzerne zeigen sich in Kauflaune und legen dafür viel, sehr viel Geld hin. Nach MySpace hat nun auch die Videoplattform YouTube mit Google einen potenten Käufer gefunden. Die schiere Größe des Angebots, das von Nutzern selbst gestaltet wird, ist das schlagende Argument für derartige Mega-Deals. Doch Unternehmen in Deutschland können derzeit nur zuschauen, wie in den USA Internetgeschichte geschrieben wird.

Denn sowohl MySpace als auch YouTube agieren zum großen Teil im illegalen Bereich. Viele Nutzer bieten dort urheberrechtlich geschützte Musik oder Filme an. Doch das wird von den Anbietern in Kauf genommen. Durch die Marktmacht der neuen Besitzer, kann man Klagen relativ gelassen entgegen sehen und derweil in Ruhe an neuen Geschäftsmodellen arbeiten. In Deutschland wäre eine derartige Vorgehensweise vollkommen undenkbar.

Professor Speck wirft in diesem Zusammenhang der Bundesjustizministerin Zypries vor, sich zum Helfer der Unterhaltungsindustrie machen zu lassen. Das neue Urheberrecht lässt keinerlei Innovationen auf diesem Gebiet zu, den Unternehmen sind die Hände gebunden. Das gilt im gleichen Maße auch für den Umgang mit Musik im Netz. Und so strömen die deutschen Internetnutzer in Scharen zu den Angeboten der US-Firmen, die nicht derartigen Restriktionen unterworfen sind.

So wäre es für Tonspion beispielsweise undenkbar, ein Angebot vergleichbar zu MySpace einzurichten, auf dem User ihre Lieblingsbands oder eigene Musik vorstellen und vernetzen können. Und selbst bei rechtlich einwandfrei lizenziertem Material, sorgt die Verwertungsgesellschaft GEMA dafür, dass kein deutsches Unternehmen ein wirklich neuartiges Geschäftsmodell auf den Markt bringen kann. Die verkrusteten Strukturen geben vor, dass nur Anbieter, die das klassische Pay-per-Track-Modell anbieten, wirklich auf dem Markt bestehen können. Selbst von den Künstlern bereit gestellte kostenlose Tracks sind in der Regel GEMA-pflichtig und kosten den Anbieter derzeit 15 Cent pro Download. Was dann bei mehreren tausend Downloads an Kosten zusammen kommen, lässt sich einfach ausrechnen. Diese Gebühr soll zum Jahresende sogar auf 17,5 Cent angehoben werden. Das ist ein Grund, warum viele kleinere Labels es sich nicht leisten können, einzelne kostenlose Downloads ihrer Künstler anzubieten. Dass dennoch viele das Risiko auf sich nehmen, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Denn trotz der enormen Hürden, haben viele Labels längst verstanden, wie wichtig das Internet geworden ist, um neue Musik zu entdecken. Denn die meisten Nutzer kümmern sich nicht um Gesetz oder GEMA, sondern gehen einfach da hin, wo sie das finden, was sie suchen.

So bleibt es also dabei, dass deutsche Unternehmen und Internetnutzer nur neidisch in Richtung USA schauen können. (ur)

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Professor Hendrik Speck. 2007.

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