Press  »  Wir wissen wenig über Google und Google weiß viel über uns.

Elflein, Nicole. Wir wissen wenig über Google und Google weiß viel über uns. Publizistik in Berlin. May 26, 2006.

Wir wissen wenig über Google und Google weiß viel über uns.

"Digitale Machtübernahme - Weltherrscher Google?" Zu diesem Thema hatte sich auf der diesjährigen Jahreskonferenz vom "netzwerk recherche" am letzten Wochenende in Hamburg ein kritisches Podium zusammen gefunden - die Vertreter von Google hatten abgesagt.

Eindrucksvoll belegte man zu Beginn den wachsenden Einfluss der Suchmaschine weltweit und speziell in Deutschland: Seit der Gründung von Google 1998 wuchs der Marktanteil in Deutschland in diesem Jahr auf 87 %. Dr. Wolfgang Sander-Beuermann, Entwickler von Suchmaschinen, begründetet diese Monopolstellung mit der richtigen Technik zum richtigen Zeitpunkt. Google sei nach seiner Gründung besser als alle anderen Suchmaschinen gewesen. Dies habe sich inzwischen zwar geändert, allerdings garantierten Gewohnheit und Zufriedenheit der Nutzer, dass Google weiter wachsen könne.

Das Internet entwickelt sich mehr und mehr zu einem Leitmedium, vor allem für Jugendliche. PR-Mann Kai Lehmann, Autor des Buches "Die Google-Gesellschaft", sieht eine große Bedrohung darin, dass das Internet ohne Suchmaschinen - und damit ist in den meisten Fällen Google gemeint - nicht mehr zu bewältigen sei. Doch dieses Probem würde laut Beuermann nirgends erkannt, auch nicht von Journalisten.

Der Konzern gibt nur wenig Informationen über sich preis. Wir wissen nicht, nach welchen Kriterien die Suche abläuft. Laut Prof. Hendrik Speck, einem Informatiker, seien es aber keine Qualitätskriterien. So liefert eine Suche nach dem Begriff "Troy" an erster Stelle den Link zum Film "Troy", statt zu den weniger gewinnorientierten Seiten über die Legende von Troja oder die gleichnamige Universität. Ab dem sechsten Treffer gäbe es aber nur noch ganz wenige Klicks. Und auf diese Weise bilde sich nun das Mediennutzungsverhalten der Kinder aus.

Unser komplettes Netzleben kann über die Google-Dienste abgebildet werden. Vor einem Jahr war das Unternehmen bereits in heftige Kritik geraten, weil es die E-Mails seiner Kunden nach Stichworten durchsucht hatte, um passende Werbung platzieren zu können. Der neue Dienst "My Search History" ist ein persönliches Archiv für alle jemals gestarteten Suchanfragen und ihre Ergebnisse. Laut Speck werden hier deutsche Wertvorstellungen und Normen ad absurdum geführt.

Ist aber Internetkompetenz ohne Suchmaschinen überhaupt möglich? Beumann verneint dies, fordert aber gleichzeitig mehr Transparenz und qualitätsorientierte Algorithmen. In einer Zeit, in der wir das Wort "googeln" sogar schon im Duden finden können, sollten wir uns vielleicht darüber Gedanken machen, wie viel Macht ein Monopolist besitzen darf, der bestimmt, welche Informationen auf unseren Rechnern verfügbar sind.

Mehr Informationen unter:
http://www.google-gesellschaft.de/
http://www.die-google-gesellschaft.de/blog/category/suchmaschinen/google/

Das komplette Programm der Jahrestagung:
http://www.netzwerkrecherche.de/docs/nr-jahrestreffen-2006-programm.pdf

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
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E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
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