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Radler, Christian. Verkaufsstart von Windows 7. "User sind ziemlich träge." Tagesschau. October 21, 2009.

Verkaufsstart von Windows 7. "User sind ziemlich träge"

Morgen kommt das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 7 in die Läden. Der Informatik-Professor Hendrick Speck sagt im Gespräch mit tagesschau.de, das neue Programm sei besser als sein Vorgänger Vista. Der fiel bei den Kunden durch. Windows 7 dürfte also den Ruf und die Geschäfte von Microsoft retten - für den Moment.

tagesschau.de: Herr Speck, mit seinem letzten Betriebssystem Vista hat Microsoft einen Flop produziert: Zu träge, zu fehleranfällig, zu groß für viele Rechner. Der Vista-Nachfolger Windows 7 fährt freundliche Kritiken ein. Stärkt Windows 7 also die Vormachtstellung von Microsoft?

Hendrik Speck: Im Bereich Desktop-Betriebssysteme sicher. Da wird Microsoft bis auf weiteres dominieren, seine Position auch noch ausbauen. Doch dies ist meiner Ansicht nach gar nicht mehr der Bereich, auf den es ankommt.

tagesschau.de: Und welcher wäre das?

Speck: Mobile Endgeräte, allen voran die Netbooks - das sind kleine, preiswerte Laptops - des weiteren die Smartphones. Microsoft ist in Sachen Benutzerfreundlichkeit von Apple und anderen Firmen abgehängt worden, und Vista war einfach zu groß und schwerfällig, um auf kleineren Geräten rund zu laufen.

tagesschau.de: Windows 7 schafft das nun immerhin auf den Netbooks. Womit wird denn Microsoft in zehn Jahren Geld verdienen?

Speck: Der Verkauf von Betriebssystemen wird noch einige Zeit viel für Microsoft abwerfen. Aber: Der Trend geht inzwischen längst weg von Rechnern, auf denen alle Programme und Daten der User liegen. Stattdessen greifen die Nutzer auf Programme und Datendienste zu, die auf Netzservern gehostet werden. Das wird dann teils durch Werbung finanziert, teils durch Lizenzen.

tagesschau.de: Stichwort Cloud Computing: Facebook, Flickr und all die webbasierten Dienste von Google fallen darunter. Sind die Daten im Web denn so sicher wie auf heimischen Festplatten?

Speck: Mitte Oktober gab es in den USA den Fall, dass Tausende Handynutzer alle Daten, die sie auf den Servern der Microsoft-Mobilfunktochter Danger gespeichert hatten, verloren. Da kam es zu kompletten Datenverlusten an Fotos, E-Mails und Adressdateien.

tagesschau.de: Könnte sich dieser Trend also auch noch umkehren?

Speck: Nein, denn im Prinzip ist die Entwicklung zum Cloud Computing nicht mehr aufzuhalten. Das hat auch damit zu tun, dass die mobilen Geräte die Datenmassen nicht mehr speichern können.


Cloud Computing:

Früher war die Festplatte des heimischen PC ganz selbstverständlich der Ort, wo man seine Daten lagerte. Doch durch die schnellen Breitbandverbindungen ist es mittlerweile attraktiv geworden, Texte, Bilder und Musik ins Internet hochzuladen und dort zu speichern. Das nennt sich dann Cloud Computing - die Daten liegen gewissermaßen als Wolke vor.

Der Vorteil: Die Daten sind überall verfügbar, die Server, auf denen sie liegen, werden regelmäßig gewartet. Datenverlust durch Festplattencrash ist damit extrem unwahrscheinlich. Finanziert werden diese Dienste unterschiedlich, etwa durch Werbung oder Lizenzgebühren.

Momentan sind Hunderte Firmen in dem Bereich aktiv, darunter auch Microsoft und Google. Aber auch der Online-Händler Amazon gehört zu den namhaften Spielern im Cloud Computing.


tagesschau.de: Der "Economist" rechnet in dieser Woche vor, wie hoch der Börsenwert von prominenten Spielern beim Cloud Computing ist. Microsoft liegt da mit 225 Milliarden Dollar weit vor IBM, Apple und Google. Was sagt das über die Chancen von Microsoft aus, durch Investitionen an die Spitze im Bereich Cloud Computing zu kommen?

Speck: Microsoft hat zwar einen höheren Börsenwert, ist aber auch viel träger als beispielsweise Google. Google hat das Geschäftsmodell der werbefinanzierten Programme und Online-Dienste, das momentan die beste Art ist, in diesem Bereich Geld zu verdienen, schon viel weiter entwickelt.

tagesschau.de: Anfang Oktober gab es im Monopolstreit zwischen Microsoft und der EU eine Entspannung: Microsoft will künftig auf Alternativen zu seinem Browser hinweisen, wenn der User den Internet Explorer das erste Mal startet. Heißt das, Microsoft ist vom Haken?

Speck: Das kann man sagen. Dies hat aber vor allem den Hintergrund, dass inzwischen so viele andere Monopolisten im Internet unterwegs sind, dass die Aufmerksamkeit von Microsoft abgelenkt ist. Zynisch könnte man sagen: Wir haben genug Alternativ-Monopole.

tagesschau.de: Das müssen Sie mir erklären.

Speck: Insgesamt sind die Fragen, um die es im Rechtsstreit zwischen Behörden oder Verlagen und Technologiefirmen geht, viel zahlreicher und komplizierter geworden. Das sieht man am Streit um das Einscannen von Büchern, das Google vorantreibt. Oder bei der Frage, ob Telefonhersteller erlauben müssen, dass alle Programme auf ihren Geräten laufen - darunter auch solche wie Skype oder Google Talk, die den Nutzern das Telefonieren ohne Telefongesellschaft ermöglichen. Und um auf Microsoft zurück zu kommen: Das wird inzwischen nicht mehr nur als der Monopolist wahrgenommen, sondern es bekämpft in vielen Bereichen auch andere Monopolisten, etwa Google bei den Suchmaschinen.

tagesschau.de: Und dass Microsoft seinen Kunden die Konkurrenz im Browser-Bereich nicht mehr vorenthält - ist das nicht gefährlich für den Konzern?

Speck: Aus Microsoft-Sicht gibt es einen Trost: User sind ziemlich träge. Sie bleiben meist einem Anbieter treu.

Die Fragen stellte Christian Radler, tagesschau.de

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Professor Hendrik Speck. 2007.

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Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
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