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Crone, Benedikt. StudiVZ hat versagt – Brauchen wir jetzt ein „UniVZ“? TU Gether. Technische Universität Braunschweig. May 26, 2009.

StudiVZ hat versagt – Brauchen wir jetzt ein „UniVZ“?

Unter sich: Brauchen wir im Studierendenportal ein soziales Netzwerk?

StudiVZ kennt jeder – doch kaum einer nutzt die Plattform um sich über Uni-Themen auszutauschen. Dafür könnte es im Studierendenportal ein Netzwerk geben; speziell für die TU. Aber ist das wirklich nötig?

Im letzten Winter bekamen die Betreiber von StudiVZ kalte Füße: Ihre allseits bekannte Online-Community rutschte zum ersten Mal seit 18 Monaten aus der Top-Ten der beliebtesten Internetseiten Deutschlands. Gründe für den Abstieg mag es viele geben. Einer ist vielleicht, dass StudiVZ ein großes Potenzial vertrocknen ließ, bevor es wirklich erblühen konnte – nämlich Studenten beim Studium zu helfen. Immerhin hätte sich die Plattform dadurch von anderen abheben können. Doch laut einer Umfrage von 2008 nutzt nur jeder dritte Student Social Communities zum Austausch von Studieninhalten. Das trifft auch auf StudiVZ zu.

Die Seite liefert mit der Funktion „Lehrveranstaltungen“ zwar einen Raum, um über Unithemen zu diskutieren. Aber auf den meisten Profilen bietet der Bereich eher den Anblick eines verwahrlosten Vorgartens; da verkümmert eine Vorlesung aus dem zweiten Semester neben einem Seminar von Rocky Balboa über „Nonverbale Verhandlungsstrategien“.

Warum also nicht ein „UniVZ“ für die TU Braunschweig? Ein soziales Netzwerk, das Studenten bei ihrem Lernalltag hilft. Man könnte es bequem in das Studierendenportal integrieren. Vieles wäre einfacher: sich mit Kommilitonen verabreden, Scripte kopieren oder Probleme klären.

Prof hört mit

Nur – wollen wir das wirklich? „Universitäten, Rechenzentren und Kursleiter erhalten damit einen bis jetzt nicht dagewesenen Einblick in die Privatssphäre der Studenten“, sagt Hendrik Speck, Professor für Interaktive Medien an der FH Kaiserslautern. „Möchte der Student seiner Uni auf einer deartigen Ebene überhaupt begegnen?“ Schließlich müssten sich Dozenten für den Austausch mit ihren Studenten ebenfalls registrieren. Sie könnten vieles mitlesen; auch Äußerungen, die sie eigentlich nichts angehen.

Dazu gäbe der Student persönliche Daten weiter an die TU. „Die Einrichtung eines solchen Netzwerkes bedeutet eine zusätzliche Verantwortung für die Hochschule. Deutschland hat eines der strengsten Datenschutzgesetze“, so Speck. Trotzdem wäre das UniVZ grundsätzlich vertrauenswürdiger als StudiVZ oder Facebook.

Und wie sähe so ein „UniVZ“ aus? Ein simpler Abklatsch von StudiVZ würde eingehen: Es gäbe nichts Neues; und damit keinen Anreiz sich anzumelden. Wichtig wäre vielmehr der Aufbau einer aktiven Gemeinschaft, die kontinuierliche Betreuung und die regelmäßige Pflege der Plattform. „Einfach nur ein Script hochladen und abwarten funktioniert nicht“, sagt Speck. Es bedarf einer zentrale Anlaufstelle, die die Kommunikation leitet, einschließlich entsprechender Personalstellen und Haushaltsposten. Sonst, ohne Eingriffe, Ordnung und Updates, entstünde schnell der Eindruck einer Industriebrache; einer virtuellen Geisterstadt, die man ihrem Schicksal überließ.

Kein zweites Stud.IP

Ähnliches erlebt man beim Stud.IP. Die Plattform ist „uni-freundlich“ strukturiert und eigentlich bestens für das gemeinsame Lernen geeignet. Doch die große Beteiligung fehlt. „Das liegt zum einen daran, wie der Dozent Stud.IP in seine Veranstaltung einbindet und pflegt“, sagt Thanh-Thu Phan Tan, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Stud.IP an der TU Braunschweig. „Die Programmierer-Community will vermutlich zukünftig mehr Web 2.0-Anwendungen erstellen, mit denen sich Mitglieder besser austauschen könnten.“ Außerdem wäre ein radikaler Nutzungsaufruf an der gesamten TU angebracht. Schließlich klappt es mit dem Stud.IP auch an anderen Unis.

Es muss also anders sein – das UniVZ. Anders als Stud.IP und anders als die vielen Communities, die derzeit das Internet überfluten. Es muss die regionale Karte ausspielen und sich ganz auf Braunschweig konzentrieren; von Verantwortlichen viel gepflegt und gut organisiert. Dann hätte es eine Chance auf Beteiligung. Anonsten wird es nicht mehr sein, als eine weitere Seite, bei der man täglich vorbeischaut. Nur um zu sehen, dass doch nichts passiert.

Was ist eure Meinung? Würdet ihr ein „UniVZ“ nutzen? Glaubt ihr, es wäre beim Lernen hilfreich?

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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