Press  »  StudiVZ Deutschlands groesste Internet Community fuer Studenten

Sommer-Guist, Christine. StudiVZ - Deutschlands größte Internet-Community für Studenten. Goethe Institut. May 2008. or Sommer-Guist, Christine. StudiVZ - Germany's Largest Social Networking Platform for Students. Goethe Institut. May 2008.

StudiVZ - Deutschlands größte Internet-Community für Studenten

"Mitglied seit 05/2006, 193 Freunde, 454 Nachrichten im Posteingang, 452 Nachrichten im Postausgang, 232 Pinnwandeinträge, unzählige verplemperte Stunden", lautet das Fazit der Studentin Frauke Lüpke-Narberhaus nach zwei Jahren Mitgliedschaft in der digitalen Community StudiVZ. Sie trat aus, mehr als fünf Millionen sind noch drin.

Wer ist StudiVZ?

Im Oktober 2005 setzten sich Ehssan Dariani und Dennis Bemmann zusammen und starteten ein Projekt. Sie schufen die Internetplattform StudiVZ, die bis ins Detail dem großen US-amerikanischen Studentennetzwerk Facebook ähnelt. Beide bieten ein System, das zu der sogenannten Sozialen Software zählt und seinen Nutzern erlaubt, eigene Profile online zu stellen - ihre Namen, Aktivitäten, Einstellungen, Hobbys, Fotos. So können andere sie finden, sich mit ihnen kurzschließen und austauschen. Heute gehört StudiVZ Ltd. der mächtigen Holtzbrinck-Gruppe und hat zwei weitere Communities - SchülerVZ und MeinVZ. Sie erreichen mehr als acht Millionen Deutsche zwischen 12 und 45 Jahren und machen das Unternehmen zu Deutschlands führender Internetmarke für aktive Netzwerkkultur.

Zu dieser Kultur gehört, dass Menschen sich zu Gruppen zusammenfinden – auch im Netz. Nur haben diese dann unterhaltsamere Namen als durchschnittliche Vereine in der realen Welt. "Hilfe mein Nachbar wohnt nebenan" oder "Wuuuah!!! Die Realität macht mir Angst...!" heißen zwei von den fast einer Million Gruppen im StudiVZ. Für Nicht-Studenten vielleicht etwas skurril, für junge Erwachsene auf der Flucht vor Bibliothek, Schreibtisch und Prüfungsvorbereitungen aber scheinbar genau passend. Sie machen StudiVZ zu Deutschlands größtem sozialen, digitalen Netzwerk. "Mit über 178 Millionen Visits und fast 6 Milliarden PIs", verkündet das Unternehmen stolz, "geht auch die Erfolgsstory von Deutschlands größtem Studentennetzwerk in die nächste Runde – und das nicht nur bei Klickzahlen: StudiVZ verzeichnet laut aktuellen ‚internet facts IV-2007’ der AGOF innerhalb des letzten Quartals 2007 ein Reichweitenwachstum von rund 34 Prozent auf monatlich über 4,6 Millionen Nutzer (Unique User)."

Der große Bruder – Facebook und andere reiche Verwandte

Copyright: PHOTOPQR/LE TELEGRAMME/CLAUDE PRIGENT LANDERNEAU; www.colourbox.comFacebook und MySpace sind Netzwerke, die ihr Netz über den Ozean spannen. Die US-amerikanischen Firmen gehören zu den Branchenführern und haben zusammen über 267 Millionen Mitglieder. Das macht sie nicht nur zu einem sozialen sondern auch zum ökonomischen Phänomen. Denn in den virtuellen Welten tummeln sich nicht nur viele, sondern besonders viele Konsumfreudige und Junge, begehrt von jedem Marketingexperten. Und so locken und bezahlen diese die Internet-Macher und Nutzer, wo und wie sie nur können: Um rund 40 Prozent auf fast drei Milliarden Euro hat allein der deutsche Onlinewerbemarkt 2007 zugelegt, schätzt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Das macht 35 Euro pro deutschen User und ist vielen Werbetreibenden noch nicht genug: In den USA sind es knapp 70 Euro, rechnet der BVDW vor.

Besonders interessant für Werber an den Online-Netzwerken sind die leicht zu durchschauende Profile der User. Der gläserne Surfer ist ideal zum Plazieren von direkt auf ihn zugeschneiderte, die sogenannte personalisierte Werbung. "Netzwerke haben mehr Informationen als die Stasi", ist Professor Hendrik Speck, Experte für digitale Medien an der Universität Kaiserslautern, überzeugt. Ob sich dieser enorme Datenreichtum aber für Investoren in Deutschland tatsächlich lohnt, kann heute niemand sagen, denn beim Chatten und Online-Daten finden die meisten Surfer Banner und bunte Werbelogos eher nervig. Dennoch finanzieren sich die meisten Plattformen im globalen Netz über Werbung und machen Gewinne. Allein Facebook hatte 2006 einen Umsatz von über 50 Millionen Dollar und rechnete für 2007 mit über 170 Millionen. Das will der Holtzbrinck-Verlag auch und hat im Januar 2007 85 Millionen Euro bezahlt, um StudiVZ – und damit die Daten der User ebenso wie das virtuelle Podium, auf dem er Werbung platzieren kann - zu kaufen.

"Neue StudiVZ AGB (12/07) – Ich bin dann mal weg"

Copyright: ERIC COLOMER/MAXPPP ; MONTPELLIER LE 05/09/02; www.colourbox.comKurz vor Weihnachten 2007 geriet StudiVZ in die Krise, weil es seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen änderte: Jeder User musste innerhalb einer Frist akzeptieren, dass seine persönlichen Angaben und Nutzungsprofile für personalisierte Werbung eingesetzt werden können. 90 Prozent der Mitglieder stimmten – ganz schnell, mit nur einem Klick – zu. Und genau diesen einen Klick kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) als "vollkommen inakzeptabel" und mahnt die Netzwerk-Macher ab. Sie warnen, dass durch das sehr stark vereinfachte Verfahren nicht deutlich sei, welche Informationen das Unternehmen wie verwendet. "Es ist zwingend erforderlich, dass die Verbraucher bei so etwas bewusst zustimmen", sagt Carola Elbrecht, Juristin des VZBV, die den Umgang mit den persönlichen Informationen der User als rechtswidrig kritisiert. Auch Mitglieder des StudiVZ ärgern sich über die neuen Werbeformen und säubern ihre Profile, löschen Fotos und protestieren. Online, versteht sich. Und in Gruppen wie "Neue StudiVZ AGB (12/07) – Ich bin dann mal weg".

Antipathiepunkte sammelt StudiVZ auch mit Reaktionen auf harmlose Nachahmer. Als Studenten in Münster einen kleinen VZ-Klon für Erstsemester bastelten, reagierte der große Bruder harsch. Ein Anwalt schickte den engagierten Studenten, obwohl diese auf die Plattform StudiVZ hinwiesen und ihre nur als Einstieg für Uni-Neulinge anbieten wollten, eine Unterlassungserklärung mitsamt der Androhung einer Strafzahlung von 2080,50 Euro. Geschützt werden sollte, so der Sprecher der Online Community, Dirk Hensen, die Abkürzung "VZ", denn: "Das VZ-Kürzel wird aus unsere Sicht ganz sicher mit dem Studienverzeichnis in Verbindung gebracht". Was als soziales Netzwerk für Studenten begann ist nur zweieinhalb Jahre nach seiner Gründung im Big Business und Kampf um Marken und Euros angekommen.

Christine Sommer-Guist
Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales

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Mai 2008

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Professor Hendrik Speck. 2007.

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