Press  »  Soziale Netzwerke. Wie das Internet Menschen zusammenbringt.

Schirmann, Melanie. Soziale Netzwerke. Wie das Internet Menschen zusammenbringt. Hörzu. March 28, 2008.

Gut vernetzt.

Freunde und Interessengruppen finden heute online zusammen, auf speziellen Internet-Seiten. Ein Trend mit Tücken

Merkwürdiges geht da vor sich im Internet: Millionen Menschen versammeln sich online in sozialen Netzwerken, die Xing oder StudiVZ heißen. Ihre Nutzung hat innerhalb eines Jahres um 120 Prozent zugelegt, und inzwischen reden alle davon. Wer dabei sein will, muss sich nur registrieren. Was ist daran eigentlich so faszinierend?

DIE CLIQUE AUF EINEN KLICK

Netzwerke funktionieren wie Adressbücher, doch sie können weit mehr, als nur Namen zu speichern: Sie leben. Man findet sich wieder oder lernt sich kennen, man tauscht sich über Interessen wie Musik oder Sport aus. Und man sieht, wer mit wem befreundet ist und was sich bei den eigenen Kontakten so tut (z. B. Umzug oder neuer Job). Besonders aktiv sind jüngere Nutzer, für die Netzwerke quasi die neue Studenten-Verbindung sind. Es gibt aber auch Internet-Gemeinschaften speziell für ältere Menschen, andere dienen als Jobbörse oder als Treffpunkt für alte Schulfreunde (siehe Kasten). Man könnte sie auch die Vereine von morgen nennen. Mitmachen ist so einfach - und darum auch so beliebt. Der Informatikprofessor Hendrik Speck, der dieses Phänomen an der Fachhochschule Kaiserslautern erforscht: „Früher brauchte man Programmier-Kenntnisse, um sich eine Homepage im Internet zu erstellen. Die Netzwerke hingegen haben eine vorgefertigte Maske, in der sich jeder leicht selbst darstellen kann." Dieses sogenannte Profil, das jeder Nutzer für sich anlegt, ist eine Art Visitenkarte. Je nach Netzwerk kann man dort Informationen einstellen wie Alter, Wohnort, Lebenslauf und auch Fotos. Man selbst entscheidet, wie viel man preisgeben möchte - und dabei legen erstaunlich viele Menschen ihr ganzes Leben offen: von der politischen Richtung über Bekenntnisse wie „Ich hasse Sex im Schlafzimmer" bis zu Fotos vom letzten Besäufnis. Als würden sie vergessen, dass sie unter vollem Namen auftreten und im Internet jeder mitlesen kann.

VERKAUF DER ANONYMITÄT

„Bei vielen, vor allem jüngeren Nutzern, gibt es ein bewusstes Desinteresse nach dem Motto ,Ist mir doch egal'", beobachtet Speck. Für Ältere hingegen gehöre die Eliminierung der Privatsphäre schon zum Alltag, weil man sie so oft auch von staatlicher Seite erfahre: „Telefonnummern werden gespeichert, Privatcomputer ausgespäht, bei der Einreise Fingerabdrücke genommen. Da geht man irgendwann sorgloser mit seinen Daten um. Und unterschätzt schnell, dass man dem scheinbar kostenlosen Netzwerk seine Privatsphäre verkauft." Auch viele Arbeitgeber lesen mit: 57 Prozent der Personalchefs, so eine Studie, haben schon einmal Kandidaten aufgrund des persönlichen Internetprofils gar nicht erst zum Gespräch eingeladen. Und manche Angaben sind auch für Polizei oder Finanzamt interessant... Trotzdem muss man sich nicht fernhalten von sozialen Netzwerken. Speck rät: „Man sollte sich die Plattform gut auswählen, bei seriösen Netzwerken bekommt der Nutzer vielfältige Methoden zum Schutz der Privatsphäre an die Hand." So kann man z. B. einstellen, wem man die eigenen Daten freigeben will oder ob das Profil auch über Suchmaschinen wie Google gefunden werden darf. Auch wichtig: „Immer überlegen, ob Angaben wie die Privatadresse oder Hobbys nötig sind", so Speck. „Meist sind solche Dinge nämlich nur für den Plattformbetreiber interessant." Auf jeden Fall werden die Netzwerke ein Teil unserer Gesellschaft. Der Experte: „Wir werden damit leben müssen, dass es immer mehr Informationen über Menschen und ihre Vergangenheit geben wird." Weil wir früher oder später alle ins Netz gehen.

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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