Press  »  Reger Zulauf für Facebook, MySpace und Co. Warum die Wirtschaft die Netzwerke liebt. Teil 1.

Rohn, Julian und Charlotte Speth. Reger Zulauf für Facebook, MySpace und Co. Warum die Wirtschaft die Netzwerke liebt. Teil 1. Tagesschau. July 27, 2007 and Rohn, Julian und Charlotte Speth. studiVZ und T-online: Alles unter Beobachtung. Deutschland lässt sich nicht hetzen. Teil 2. Tagesschau. July 27, 2007

Reger Zulauf für Facebook, MySpace und Co. Warum die Wirtschaft die Netzwerke liebt. Teil 1.

Facebook, MySpace oder studiVZ - soziale Netzwerke im Web gewinnen täglich zehntausende Nutzer. Die Portale werden von einigen für die Zukunft des Internets gehalten, ihr Wert steigt mit jeder neuen Anmeldung. Doch wie man mit den Usern nachhaltig Geld verdient, ist noch unklar.


[Bildunterschrift: Sozial vernetzt im Web: Immer mehr Menschen suchen und finden Kontakte.

Früher wurde behauptet, Computer machten einsam. Heute trifft man seine Freunde im Internet. In sozialen Netzwerken findet man sie alle wieder und ist von neuen Bekanntschaften nur einen Mausklick entfernt. Soziale Netzwerke wie MySpace und Facebook stellen inzwischen mit mehr als 100 Millionen angemeldeten Nutzern im Web, gerade für junge Leute, viele klassische Medienangebote in den Schatten. Ob nun für berufliche oder private Zwecke - soziale Netzwerke sind beliebt und erfolgreich. Einigen Experten gelten sie sogar als die Zukunft des Webs.

Nutzer-Zuwachs von Facebook zwischen Mai 2006 und Mai 2007

Shootingstar unter den sozialen Netzwerken ist Facebook.com. Mindestens acht Milliarden Dollar soll das Portal inzwischen wert sein, das behaupten jedenfalls die Eigentümer. Zurzeit sind rund 27 Millionen Nutzerprofile auf der Plattform angemeldet. Das größte Portal MySpace.com aus dem Hause Murdoch hat zwar 100 Millionen Profile, aber Facebook wächst - und das ziemlich schnell. Laut einer Studie des Online-Statistikers Comscore gehört das Portal zu den am schnellsten wachsenden Angeboten. Zwischen April und Mai 2007 steigerte Facebook seine Besucherzahlen um 20 Prozent.

Nicht nur für Studenten

Besonders bemerkenswert ist, dass das früher reine Studentenportal heute auch immer mehr Nutzer jenseits der Hochschulmauern anzieht. So war laut Comscore der größte Zuwachs im letzten Jahr bei den 25 bis 34-Jährigen zu verzeichnen - und zwar um 181 Prozent. Der Grund: Nach dem Studium bleiben viele Ex-Studenten Facebook treu. Je mehr Nutzer sich anmelden, umso schwieriger wird es jedoch, den hohen Wachstumsprozentsatz zu halten.

Das Besondere an Facebook: Im Mai diesen Jahres öffnete sich das Portal für externe Programmierer. Diese können seitdem eigene Anwendungen für die Seite schreiben und sie dort den anderen zur Verfügung stellen. Das Open-Source-Prinzip ist zwar nicht neu, erreicht hier aber eine neue Dimension. Rund 1000 Anwendungen soll es bislang schon für die Seite geben, darunter viele kommerzielle, was den potenziellen Marktwert von Facebook erklärt.

Soziale Netzwerke ermöglichen es, Kontakt zu anderen Menschen herzustellen, neue kennen zu lernen, oder alte Bekannte wiederzufinden. Dabei sind sie so aufgebaut, dass sie leicht zu bedienen sind. Um soziale Kontakte bestmöglich zu knüpfen, haben angemeldete Mitglieder die Möglichkeit, eine umfangreiche Profilseite zu erstellen. Durch die große Anzahl von Daten fallen ernome Kosten für Server, Leitungen und Speicherplatz an. Um diese Projekte zu finanzieren, versuchen die Betreiber die Plattform kommerziell zu vermarkten. Doch die Investoren haben auch ganz klare wirtschaftliche Interessen.

Bislang nur MySpace kommerziell erfolgreich

Allerdings scheint die Vermarktung der Portale nicht ganz einfach zu sein. Hier sieht auch Dresdner Bank-Analyst Chris-Oliver Schickentanz ein Problem: "Bisher können nur wenige Plattformen ihre Reichweite tatsächlich in klingende Münze umwandeln.“ MySpace sei bisher das einzige Portal, das aufgrund seiner Einbindung in den Newscorp.-Konzern von Medienmogul Rupert Murdoch wirtschaftlichen Erfolg vorweisen könne.

Neben den 900 Millionen Dollar, die Google an Murdoch für die exklusive Suchfunktion und entsprechende Werbevermarktung auf MySpace.com zahlt, verdient Murdochs Konzern dank cross-medialer Vermarktung an dem Portal Geld. Via MySpace erreichten bereits in der Vergangenheit TV-Serien, die beim hauseigenen Unterhaltungssender Fox gezeigt wurden, Kultstatus und wurden Quotenerfolge.

Innovationen von externen Entwicklern

Facebook geht dagegen mit seiner Open-Source-Strategie einen anderen Weg. Viele tausend Entwickler arbeiten an immer neuen Anwendungen für das Portal - und das ganz ohne Bezahlung. "Egal wie viel die Unternehmen in ihre Entwicklung investieren, sie werden niemals mit der Entwicklungsgeschwindigkeit einer Open-Source-Gemeinschaft mithalten können“, sagt Hendrik Speck, Informatikprofessor an der FH Kaiserslautern. Unternehmen, die sich nicht öffnen, bleiben seiner Einschätzung nach mittelfristig auf der Strecke: "Die bekommen keine innovativen Ideen, keine genialen Anwendungen dazu, außer sie kaufen sie teuer ein. Das bedeutet: Über kurz oder lang verlieren die Nutzer das Interesse an diesen Seiten.“


[Bildunterschrift: Angegeben ist der Preis, der pro Nutzer bezahlt wurde. Diese Summe muss wieder eingenommen werden, damit sich das Geschäft für die Investoren lohnt.

Facebook jagt anderen Angeboten so die User ab. 100 Millionen Mitglieder peilt das Unternehmen Ende dieses Jahres an. Diese Millionen User sind das eigentliche Kapital der sozialen Netzwerke. Sie bestimmen letztlich den Preis, der bei einem Verkauf oder Börsengang erzielt werden kann und locken potenzielle Werbekunden.

Doch Werbung im Internet birgt auch ein Problem: Zu viel davon vergrault die User. Für Speck gibt es daher nur eine Variante der Rückfinanzierung, die sich wirklich lohnt: "Das ist das Anbieten von Zusatzdiensten. Die Summen, die sie damit erwirtschaften können, sind wesentlich größer. Die Bannerwerbung ist dann nur noch ein netter Nebenerwerb.“

Facebook habe das erkannt und steuere in die richtige Richtung, sagt der Experte. Mit seinem Vernetzungskonzept, aber auch mit seiner Offenheit sei das Unternehmen effizienter als andere Anbieter. Für Speck ist klar, was das Rennen entscheidet: "Es werden diejenigen verlieren, die diese Öffnung nicht betreiben.“

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Situation der Internet-Netzwerker in Deutschland ist, wie es um das Thema Datenschutz bestellt ist und warum Experten das Potenzial von Facebook und Co so hoch ansetzen, dass sie sagen: "Das ist die Zukunft des Webs".

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
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66482 Zweibrücken
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E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
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