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Heinemann, Christoph. Neue Regeln. Facebook sperrt die Spanner aus. Hamburger Morgenpost. December 4, 2009.

Neue Regeln. Facebook sperrt die Spanner aus.

Neue Regeln: Die Betreiber des Online-Netzwerks Facebook sorgen endlich für mehr Schutz. Experten warnen trotzdem vor dem Missbrauch von Daten.

Mutti" Merkel hat einen ganz privaten Traum. "Einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok", das wär's. Man muss die wohl mächtigste Frau der Welt nicht persönlich kennen, um ihr diesen Wunsch zu entlocken. Man muss nicht einmal zu ihren über 21000 (!) Freunden gehören - die Kanzlerin erzählt es jedem, der auf ihr "Facebook"-Profil klickt.

Das Internet-Netzwerk ist ein Phänomen. Selbst Hessens Ministerpräsident Roland Koch (600 Freunde) und Familienministerin Kristina Köhler (1500 Freunde) sind längst Mitglieder. 161000 Nutzer zählt Facebook in Hamburg, 3,5 Millionen in Deutschland, 350 Millionen auf allen fünf Kontinenten.

Der Zulauf an Menschen, die bereitwillig ihre Vorlieben und Fotos im Netz veröffentlichen, ist groß. So groß, dass Datenschützer längst Alarm schlagen. Endlich ergreifen die Betreiber Gegenmaßnahmen. "Wir wollen die Privatsphäre jedes Einzelnen besser schützen", verspricht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

In den letzten Jahren stieg zwar stetig die Zahl der Spielereien - die Möglichkeiten zur Kontrolle indes nicht. Schon in wenigen Wochen soll nun endlich jedes Mitglied auswählen dürfen, ob es Informationen und Fotos nur für "Freunde", für "Freunde von Freunden" oder gar für alle sichtbar macht.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar (selbst Mitglied bei Facebook) begrüßt die Neuerung. "Ich wundere mich immer noch darüber", so Schaar zur MOPO, "welch private Informationen und Bilder manche Menschen ins Internet stellen. Die Datenschutzeinstellungen von Facebook könnten noch besser werden, auch wenn das Unternehmen hier einiges getan hat, um Nutzern den Schutz ihrer Privatsphäre zu erleichtern."

Denn auch die Zahl der Facebook-Opfer steigt stetig. "Das Internet vergisst nichts", so Schaar. Jeder dritte Arbeitgeber überprüft nach Umfragen inzwischen die Profile der Bewerber - wer feucht-fröhliche Fotos der letzten Party ungeschützt ins Netz stellt, läuft Gefahr, sich die Chance auf den Traumjob zu verspielen.

Experten raten: Wer nicht geschäftlich in einem sozialen Netzwerk unterwegs ist, sollte sich im Internet am besten nur unter einem Spitznamen darstellen. Und: "Weder das eigene Geburtsdatum noch der Mädchenname der Mutter sollten veröffentlicht werden", so der Autor und Internet-Experte Prof. Hendrick Speck. "Das sind beliebte Passwörter, die schnell in die Hand von Datendieben fallen könnten." Die neueste Masche: Mit fingierten Profilen schöner Frauen verschicken Gauner wahllos Freundschaftsanfragen und wollen so durch die Hintertür an Daten kommen. Und in deren Hände sollten private Träume dann doch lieber nicht gelangen ...

Info: Der Siegeszug der Netzwerke: Heute sind selbst Orang-Utans online

Erst vor fünf Jahren startete der US-Amerikaner Mark Zuckerberg das Portal "Facebook". Die Idee eine Plattform für Studenten, um sich über Kurse auszutauschen, gegenseitig Fotos zu zeigen und unkompliziert zu treffen. Heute ist die Seite das größte soziale Netzwerk der Welt und bereitet derzeit den Börsengang vor. Kurios Seit Montag hat nun auch ein Orang-Utan als erstes Tier der Welt ein Profil bei "Facebook". Die 33-jährige Affendame Nonja hat in ihrem Gehege im Wiener Tiergarten Schönbrunn eine Spezialkamera zur Hand Immer wenn sie auf den Auslöser drückt, werden die Fotos automatisch auf ihr Profil hochgeladen. Einhundert Schnappschüsse sind schon zu besichtigen. Aber In letzter Zeit mehrten sich auch die negativen Schlagzeilen über soziale Netzwerke Im September beging in London ein 15-jähriges Mädchen Selbstmord, weil sie von anderen Nutzern im Netz gemobbt wurde. Dem Facebook-Konkurrenten SchülerVZ unterliefen schwere Datenpannen. Die Beliebtheit sozialer Netzwerke ist aber ungebrochen Inzwischen sind 60 Prozent der Deutschen Mitglied bei "Facebook", "Lokalisten", "MySpace" oder anderen beliebten Portalen.

So vorsichtig sind Hamburger im Netz:

Anne-Cathrine Preißer (19) aus Seevetal

"Ich benutze Facebook, allerdings nur selten. Ich habe nur ein Anzeige-Bild und lösche alle Verlinkungen. Mein Profil können nur meine Freunde sehen - außerdem entscheide ich, wer auf meine Seite darf und wer nicht. Durch das Internet geht die Privatsphäre schon genug verloren, das muss man ja nicht noch zusätzlich schüren. Mein zukünftiger Arbeitgeber muss keine Bilder von mir beim Feiern mit Freunden angucken."

Jasmin Abdelhi (22) aus Langenhorn

"Ich bin bei Facebook, aber selten online. Es kann aber auf meiner Seite nachgelesen werden, dass ich alleinerziehende Mutter von zwei Kindern bin, wo ich wohne und wie meine Mail-Adresse lautet."

Jonas Bak (23) aus Lokstedt

"Auf meiner Facebook-Seite sind Foto und persönliche Videos einsehbar. Auf Fotos, die beim Feiern entstanden sind, bin ich auch oft verlinkt. Ansehen kann sich das jeder. Das sollte ich mal überdenken."

Lena Rispeter (22) aus Norderstedt

"Ich bin weder bei Facebook noch bei einem anderen Internet-Portal registriert. Ich kontaktiere meine Freunde per Telefon, das ist persönlicher. Dafür brauche ich mich nicht im Internet zu präsentieren."

Florian Daewes (23) aus Hamm

"Am Anfang ist jeder bei Facebook frei einsehbar. Auch bei mir war das so - bis ich es irgendwann geändert habe. So können nur noch Freunde meine Seite und meine Fotos angucken."

Zitat:

"Der Schutz der Privatsphäre könnte besser sein"

Peter Schaar, Datenschützer

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
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