Press  »  Late Night: Plasberg. Wir sind plötzlich nicht mehr unter uns.

Pifan, Thorsten. Late Night: Plasberg. Wir sind plötzlich nicht mehr unter uns. Die Welt. June, 25, 2009.

Late Night: Plasberg. Wir sind plötzlich nicht mehr unter uns.

Ob Boris Becker oder Gülcan Kamps: Wem es schwer fällt, sein Privatleben bedeckt zu halten, der setzt auf Öffentlichkeit. Aber auch immer mehr ganz normale Bürger stellen sich öffentlich dar, etwa im Internet – mit ungeahnten Folgen. Die böse Überraschung folgt dann beim Vorstellungsgespräch – oder bei Frank Plasberg.

Jetzt mal ganz ehrlich – wir sind doch unter uns: Hatte Gülcan Kamps gestern Abend bei Frank Plasberg ein bisschen zu viel aufgetragen? Make-up selbstverständlich – oder war es einfach nur ein Sonnenbrand? Ganz sicher aber muss sie mal wieder dringend zum Friseur. Die Farbe ihrer Haare wirkte schon ein bisschen ausgeblichen und die Fingernägel waren auch nicht gerade toll lackiert.

Letzteres Urteil kam sogar aus ganz berufenem Munde: Beate Wedekind betrachtete die schlecht lackierten Nägel von Gülcan Kamps ganz aus der Nähe. Die ehemalige Chefredakteurin der Bunten hatte ihren Platz in der Runde bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ gleich neben der Ehefrau des Sohns des ehemaligen Großbäckers, kurz Brötchen-Kamps genannt. Die vertrauliche Anrede ist erlaubt, wir sind ja schließlich unter uns.

Und wer sich in die Öffentlichkeit stellt, muss auch damit rechnen, ins Kreuzfeuer zu geraten. Mit Boris „Bobbele“ Becker haben wir schon alle manches Auf und Ab erlebt. Der Wimbledon-Sieg, die Ehe mit Babsi und die Scheidung oder der Besuch in der berühmten Besenkammer, um nur einige Höhepunkte zu nennen. Der Ex-Tennisstar lebt heute davon, sein Privatleben zu Markte zu tragen – zuletzt mit seiner Hochzeit.

Für die Zusammenfassung der Trauung beim Sender RTL interessierten sich mehr Fernsehzuschauer als für den Weltspiegel auf der ARD und für die Sendung Berlin direkt im ZDF zusammen. 4,83 Millionen Deutsche hockten vor dem Flimmerkasten und verfolgten, wie Boris sich traute. Doch wie so oft bei den Themen wie Klatsch und Tratsch – keiner hat es gesehen, keiner will es gewesen sein, zumindest wenn er danach gefragt wird.

„Sind wir alle Boris? – Die neue Sucht nach Öffentlichkeit“ lautete das Thema bei Frank Plasberg in seiner jüngsten Ausgabe von Hart aber fair. Auf den Prüfstand kamen dabei auch die Fingernägel von Beate Wedekind – an diesem Abend ist sie ganz ungeniert und unlackiert. Macht ja auch nichts, ein bisschen waren wir ja schließlich unter uns.

Das ehemalige Wunderkind Boris Becker kann aber gar nicht mehr anders, als sich in der Öffentlichkeit zu vermarkten, genauso wie es Poptitan Dieter Bohlen mit seinem Privatleben macht. Von einem ganz anderen Kaliber ist da der Fernsehkoch und Talkmaster Alfred Biolek, der sein Privatleben nie in die Öffentlichkeit getragen hat.

Dass Biolek schwul ist, hat er dem Outing von Rosa von Praunheim zu verdanken und kommentiert es heute mit den Worten: „Es war ein Schlag in den Nacken, der aber eine Verspannung gelöst hat.“ Will sagen: Biolek brauchte sich und seine Neigung, Männer zu lieben, nicht mehr vor den Augen der Zuschauer zu verbergen.

Problematisch wird die Öffentlichkeit, wenn sich Teenager auf Fotos oder kleinen Filmchen zum Beispiel volltrunken im Internet präsentieren. Personalschefs wissen auch, wie das Internet funktioniert und picken sich die Informationen über ihre künftigen Angestellten heraus. Da kann es schnell passieren, dass die peinlichen Bilder per Beamer beim Vorstellungsgespräch an der Wand landen – und dann ist guter Rat teuer, auch wenn es ein einmaliger Ausrutscher gewesen ist. Wir sind plötzlich nicht mehr unter uns.

Und in diesem Fall prallten bei Plasberg die Meinungen aufeinander: Während der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum von der FDP den Öffentlichkeitswahn kritisierte, und die Folgen anmahnte, griff Journalistin Wedekind auch während der Sendung zum Handy, um bei der Internet-Plattform „Facebook“ Nachrichten abzurufen. „Der Plasberg ist doch ein Oberlehrer“, lautete eine von ihnen, die Wedekind süffisant vorlas.

Biolek geht mit dem Internet ganz anders um: E-Mails an ihn werden ausgedruckt und dann per FAX weiter geschickt. Elektronische Post erreicht ihn – ganz klassisch – auf Papier. Auch Gülcan Kamps kennt Biolek nicht – oder zumindest nicht wirklich, wie er lachend anmerkt, was die Moderatorin ein wenig empört. Auch sie lacht dabei.

Weniger zum Lachen ist Studio-Gast Florian M.* zu Mute. Der Student hat seinen Namen für einen Versuch hergegeben, den der Informatik-Professor Hendrik Speck machte. Einen Tag lang sammelte Speck Informationen über den Studenten. Nun weiß er nicht nur die Telefonnummer und seine Adresse, er kennt auch die Noten, die M. in den USA an der Universität bekam – nicht alle so gut, dass er damit prahlen könnte.

M. fehlten nach der Vorstellung des Ergebnisses die Worte. Plasberg ließ die Erklärungsversuche des Studenten für sich stehen und erlöste ihn schnell aus der Erklärungsnot, indem er sich wieder seinen Gästen zuwandte. Das Ergebnis des Versuches ist nicht mehr lustig, schließlich sind wir im Internet nicht mehr unter uns – Millionen lesen mit.

Genau diesen Eindruck wollte Frank Plasberg mit seiner Sendung erreichen. Und die Reaktion des Studenten zeigte, dass die Jugendlichen von heute keineswegs so souverän mit ihren Daten im Netz umgehen. Andererseits muss für die Suche nach Informationen schon einige kriminelle Energie aufgewendet werden.

Zweieinhalb Tage brauchte ein Team um Professor Speck, um die Plattform StudiVZ zu knacken – illegal, weshalb der Uni-Dozent sich schwer tat, den Täter genauer zu benennen. Das Fazit der Sendung: Aufzuhalten ist die Art der Selbstdarstellung im Internet sicher nicht. Aber wichtig ist, dass die Jugendlichen, die Daten und Bilder von sich preisgeben, aufgeklärt werden über die Folgen. Wir sind schließlich nicht immer unter uns.

Anmerkung: * Name auf Wunsch des Betroffenen entfernt.

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

Call Prof. Hendrik Speck with Sykpe Chat with Prof. Hendrik Speck

See Xing Profile of Prof. Hendrik Speck See Projects and Programs of Prof. Hendrik Speck

* Click here to View larger map.