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Roether, Diemut. Kultur im Radio: Vielfalt oder Herunterdemokratisierung? epd Medien. Editorial. No. 10, February 10, 2010.

Kultur im Radio: Vielfalt oder Herunterdemokratisierung?

Kultur gehört zum Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Enquetekommission Kultur des Deutschen Bundestags hat 2007 angeregt, die Kulturleistungen der öffentlich-rechtlichen Sendungen regelmäßig zu erheben und zu evaluieren. Der WDR hat im vergangenen Jahr selbst eine solche Evaluation beim Kulturrat in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kam, der WDR sei, was den Anteil von Kultur im Programm angehe, besser als sein Ruf. Der Kulturanteil im Hörfunkprogramm liege bei 79 Prozent, so die Studie. Steht es also bestens um die Kultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Es gibt Vertreter der Kultur, die das anders sehen. Als Alarmzeichen wurde im vergangenen Jahr das "ARD-Radiofestival" gesehen, das gemeinsame Abendprogramm, das die Kulturwellen der ARD vom 12. Juli bis 12. September veranstalteten. Der Deutsche Kulturrat warnte vor einem "latenten Selbstabschaffungsprogramm" der Kulturwellen.

Die Beobachtung, dass an der Kultur in Zeiten der Krise zuerst gespart wird, bewog auch die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, das eingespielte Hörspielforum NRW um eine Vortragsreihe zu erweitern, die sich unter dem etwas sperrigen Titel "Die Kulturparallaxe: Untergang/Aufstieg" am 25. und 26. September in Köln mit der Zukunft des Radios beschäftigte. Radiomacher, Medienkritiker, Politiker und Wissenschaftler wurden eingeladen, ihre Gedanken zum Zustand und zur Zukunft des Radios vorzustellen.

Was beruhigend stimmen dürfte: Es gibt nach wie vor eine große Vielfalt im Radio. So groß ist sie, dass schon im herkömmlichen Radio kaum jemand einen Überblick darüber haben dürfte, was alles angeboten wird. Ganz zu schweigen von den Internetradios in aller Welt. Einen kleinen Einblick in die Welt der Netzsender gab Moritz Metz von der Zentralen Intelligenz-Agentur. Und Hendrik Speck, Professor für interaktive Medien an der Fachhochschule Kaiserslautern, erinnerte daran, dass die Nutzer immer mehr dazu übergehen, sich mit Netzradios und MP3-Playern ihr eigenes Programm zusammenzustellen.

Es gab jedoch auch kritische Stimmen: Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum nannte das "ARD-Radiofestival" einen "herben Anschlag auf die Vielfalt". Er mahnte, es dürfe nicht dazu kommen, "dass wir Rundfunkgebühren für unsere Unterforderung zahlen". Und der Theaterkritiker Bernd C. Sucher warnte leidenschaftlich vor einer Herunterdemokratisierung der Ansprüche und Angebote.

Der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) lobte den WDR zwar ausdrücklich für die Kulturprogramme im Radio und die Kulturpartnerschaften, doch auch er warnte vor einer zunehmenden Kulturferne der Gesellschaft. Er sah hier vor allem ein Versagen bei der Elterngeneration, die versäumt habe, kulturelle Traditionen an die Kinder weiterzugeben.

Wolfgang Hagen, Leiter der Hauptabteilung Kultur beim Deutschlandradio, plädierte für mehr spielerische Experimente im Hörfunk. Er wandte sich gegen die Klage, dass Entfaltungsmöglichkeiten durch Sparzwänge wegfielen, und kritisierte die institutionelle Trägheit in den Anstalten.

Die Vorträge zogen ebenso wie das Hörspielforum NRW, das zusammen mit den "Hörwelten" des WDR veranstaltet wurde, sehr viele junge Leute an. Einmal mehr wurde in Köln der Beweis erbracht, dass das Radio nach wie vor ein Medium ist, das junge Leute interessiert. Wir hoffen, dass auch die Vorträge, die wir in diesem Heft mit freundlicher Genehmigung der Autoren und dank der Unterstützung durch die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen dokumentieren, zu einer lebhaften Debatte um die Zukunft des Mediums anregen.

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
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