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Frickel, Claudia. Internet-Software. Der Gratis-Effekt im Netz. Focus Online. January 26, 2009

Internet-Software. Der Gratis-Effekt im Netz.

Musik hören, Texte schreiben, Bilder bearbeiten: Immer mehr Software kann man kostenlos im Internet verwenden. Doch wie verdienen die Anbieter damit Geld?

Max Levchin, Erfinder von Slide und Paypal, meinte: „Man braucht kein Photoshop mit sämtlichen Filtern im Internet." Um Texte oder E-Mails zu schreiben, Fotos zu bearbeiten oder Musik zu hören, muss man längst nicht mehr Programme auf dem eigenen Desktop verwenden. Das Schlagwort dafür heißt Cloud Computing. Doch die meist kostenlosen Dienste im Netz werfen Fragen auf. Die wohl wichtigste: Wie soll sich das finanzieren? Der klassische Weg: Werbung.

„Es gab und gibt einige Modelle für das Geldverdienen im Web, aber nicht alle haben überlebt“, sagte Hendrik Speck, Professor für Digitale Medien an der Fachhochschule in Kaiserslautern im Bereich Informatik/Interaktive Medien, auf der Digitalkonferenz DLD. Beispiel Bezahlinhalte im Web: „Das war vor zehn Jahren das große Thema, heute nicht mehr“, so Speck. Anschließend habe es einen „Hype um Online-Werbung“ gegeben. Doch viele Surfer nutzten heute Programme, um die Anzeigen auf Websites auszuschalten, so Speck.

Geld für die Entwickler?

Trotzdem setzt Max Levchin auf klassische Werbung. Der Gründer des Online-Bezahlsystems Paypal bietet inzwischen mit seiner Internetfirma Slide Dienste für Nutzer von sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace. Damit kann man die eigene Profilseite kostenlos mit Diashows, Videos oder Spaßanwendungen aufpeppen. „Jemand muss für Entwicklungen bezahlen – entweder der User, weil er sie wertschätzt, oder Anzeigenkunden.“

Der schwedische Musikdienst Spotify – ein Angebot, mit dem man alle Lieder der großen Musikfirmen hören kann – setzt auf zwei Möglichkeiten. Wer die virtuelle Musiksammlung im Netz nutzen will, muss sich entscheiden: Entweder lassen sich die Songs kostenlos hören, dann muss man jedoch Werbung hinnehmen. Oder man zahlt und bekommt werbefreie Musik. „Ich glaube an soziale Währung“, sagte Spotify-Erfinder Daniel Ek – und meint damit, dass die User bereit sind, für Inhalte zu zahlen. Interessant dabei: Ek war zuvor Chef von µTorrent, einer Software für den Filesharing-Dienst Bittorrent, der eher im Zusammenhang mit dem Austausch von illegal kopierten Songs, Filmen und Programmen bekannt ist.

Software im Internet – von vielen wurde diese Idee in der Vergangenheit unterschätzt. In Zukunft könnten solche Dienste mindestens eine so große Rolle spielen wie Programme, die auf den Computern installiert sind. „Man dachte, dass die User kein Interesse an abgespeckten Versionen von Software im Internet haben würden, wenn sie diese viel bequemer auf dem Desktop nutzen konnten“, sagte Spolsky: „Es war ein Fehler, das Thema nicht ernst zu nehmen.“ Spolsky betreibt das Blog „Joel on Software“ und die Firma „Fog Creek Software“, die Projektmanagement-Software entwickelt. Slide-Betreiber Levchin sieht das ähnlich: „Der Trend geht zu Web-Anwendungen mit den wichtigsten Funktionen. Man braucht kein Photoshop mit sämtlichen Filtern im Internet.“

Problem Datenschutz

Doch wenn Software eher im Web und mobil als auf dem heimischen Computer genutzt wird, stellt sich eine Frage: Muss man es dann den Usern nicht ermöglichen, ihre Daten einfacher überallhin mitzunehmen? Doch wenn Plattformen enger zusammenarbeiten und die User ihre Daten von einem Dienst zum anderen transportieren können, steigt die Gefahr, dass die Privatsphäre im Netz immer löchriger wird.

„Es interessiert die Leute nicht, ob dann der Datenschutz gefährdet ist“, behauptet Internetforscher Hendrik Speck. „Genauso wenig, wie sie sich generell für Datenschutz im Netz interessieren.“ Die meisten Internetnutzer kümmerten sich auch wenig darum, wie viele Daten sie bei sozialen Netzwerken wie Facebook preisgeben würden. „Und die Lizenzbedingungen liest sowieso nur einer von 100“, sagte Speck. Das ändere sich erst langsam: „Die Internetnutzer achten mehr auf Privatsphäre – jedenfalls in Europa“, so der Wissenschaftler. „Sie entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Wert im Internet.“

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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