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Nardelli, Michael. Mangelhafter Datenschutz bei Internet-Netzwerken. Schuhgröße, Oberweite, Unterhose: Privatsphäre bloßgestellt – So geschwätzig sind Internet-Netzwerke. Südkurier. October 8, 2008.

Mangelhafter Datenschutz bei Internet-Netzwerken. Schuhgröße, Oberweite, Unterhose: Privatsphäre bloßgestellt – So geschwätzig sind Internet-Netzwerke.

Es kommt nicht von ungefähr: Laut einer Umfrage von Schutzsoftware-Hersteller Symantec gibt sich die Hälfte der Nutzer so genannter Social Networks sorglos und stellt das Profil für jeden frei zugänglich ins Netz – samt Adresse, Telefonnummer, Hobbys und persönlicher Ansichten. „Die haben mehr Informationen, als die Stasi je hatte“, behauptete jüngst Hendrik Speck in einem Interview mit der Netzzeitung von den Seitenbetreibern.

Der Kaiserslauterer Informatik-Professor hat bei drei großen Netzwerken Facebook, Myspace und Xing gezählt, wie viele persönliche Attribute hier angegeben werden können – und kam am Ende auf 120, vom Alter über den Wohnort bis zum Lieblingsfilm, zur politischen Einstellung oder sexuellen Neigung. „Völlig irrational“ sei der Zugang zu den eigenen Daten hier, findet Speck: „Da liegt unheimlich viel offen.“ Mit „Nestwärme für Gleichgesinnte“ erklärt das Ute Roos, die sich für das Technikmagazin iX mit den sozialen Netzwerken beschäftigt hat.

Das gefällt vor allem jungen Menschen: Jeder vierte Jugendliche loggt sich laut einer Umfrage von TNS Emnid sogar von unterwegs aus ins „soziale Nest“ ein – per Handy zum Beispiel. Das Problem: „Die Social-Networking- Plattformen verlangen bei der Registrierung viele private Daten, bieten aber nur wenig Möglichkeiten, diese vor ungewollten Zugriffen zu schützen“, beschreibt Andreas Poller vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT).

Dessen Experten haben sich bei den sieben beliebtesten Internet-Plattformen zur privaten und geschäftlichen Kontaktpflege eingeschrieben und als Nutzer überprüft, wie es hier um den Schutz der Privatsphäre steht. Ergebnis: Kein Anbieter konnte vollständig überzeugen: „Von der Nutzung mancher Möglichkeiten rate ich sogar ab, weil die Zugriffskontrollen teilweise einfach nicht funktionieren oder ganz fehlen“, so Poller. Alles im Bild Krass: Mit Hilfe spezieller Suchmaschinen kamen die Fraunhofer-Forscher zum Beispiel in den Besitz geschützter Bilder, obwohl diese gar nicht für die Öffentlichkeit freigegeben waren.

Auch die politische Orientierung oder der Familienstatus ließ sich trotz Sperrung der Daten ermitteln. Und selbst nach Beendigung der Mitgliedschaft blieben bei einer Plattform die persönlichen Gästebuchund Foreneinträge drin. „Das kann sehr peinlich werden“, stellt Poller fest – und warnt: „Auch Internet-Betrüger oder Firmenspione lesen mit.“ Das sind soziale Netzwerke: Kontaktplattformen, in denen Nutzer sozusagen ihre Beziehungen zu anderen Personen abbilden; die Nutzer stellen sich in einem weitgehend selbst gestalteten Profil vor – teilweise inklusive Foto, Musik oder Video.

Die Mitglieder verknüpfen sich untereinander, können andere Mitglieder in „Freundeslisten“ aufnehmen oder per Nachricht kontaktieren. Es geht hier typischerweise um die Pflege von Kontakten oder die Etablierung neuer Verbindungen. Viele Mitglieder nutzen die Plattformen auch zur Koordination von Verabredungen. Allein das Jugend- Netzwerk SchülerVZ kommt auf weit über sechs Milliarden Seitenabrufe pro Monat.

So bremsen Sie Datenspione und Spanner aus:

- Keine Nutzung in öffentlichen WLAN- oder Firmen-Netzen.

- Viele Kontaktplattformen verschlüsseln Daten nicht oder in nicht ausreichender Weise. Dadurch lassen sich in Extremfällen sogar Nutzer- Kennwörter mitlesen.

- Strikt zwischen beruflich und privat trennen. In Geschäftsplattformen gehören keinerlei Schilderungen von Wochenend-Sünden.

- Unmittelbar nach der Anmeldung Optionen für Privatsphäre restriktiv einstellen und die Freigabe der Daten im Internet (so genanntes „öffentliches Profil“) deaktivieren. Bei manchen Plattformen ist das standardmäßig eingestellt.

- Erst Zugriffskontrollen prüfen, dann Daten eingeben, sonst ist man beim Eingeben schnell und beim Konfigurieren hinterher zu großzügig. Wenn nur Freunde wissen sollen, dass man katholisch ist, dann sollte auch nur dieser Personenkreis das sehen können.
Tipps für StudiVZ-Nutzer:

- Zugriffsschutz für jedes Fotoalbum immer separat konfigurieren.

- „SuperSuche“ abschalten.

- Daten nicht für „Alle Leute meiner Hochschule“ freigeben.

Generell gilt:

- „Privatsphäre“ in den Profileinstellungen wählen. Dann können nur Freunde auf das Profil zugreifen.

- Informationen wie politische Neigungen, Adressen, Telefonnummern oder gar Kontonummern haben in sozialen Netzwerken nichts verloren.

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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