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Bettel, Sonja. Hello World! Herrschaft über die eigenen Daten. Ö1. Österreichischer Rundfunk. March 15, 2009.

Hello World! Herrschaft über die eigenen Daten.

Immer wieder hört und liest man von Menschen, die aufgrund von Fotos, Interessen, Weltanschauungen oder Äußerungen in sozialen Netzwerken ihren Job verloren oder gar nicht erst bekommen haben. Man hört von Beziehungsdramen, von Werbespam, von Mobbing, von Identitätsdiebstahl oder Bespitzelung durch Polizei und Behörden.

Meist lassen sich diese Geschichten gar nicht oder nur schwer überprüfen, aber Tatsache ist, dass es sehr verlockend ist, in diesem Meer an privaten und persönlichen Daten zu fischen, und dass das nicht schwer ist, weil die Daten gar nicht oder schlecht geschützt sind.

Sorgloser Umgang

Das Medium sei noch relativ neu und deshalb hätte wir noch nicht gelernt, wie wir damit umgehen müssen, meint Hendrik Speck, Professor für Informatik und digitale Medien an der Fachhochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken.

Die Betreiber von sozialen Netzwerken würden deshalb teilweise sorglos, teilweise rücksichtslos mit diesen neuen Gegebenheiten und Möglichkeiten umgehen. Einerseits nützen sie die Informationen, um sie für gezielte Werbeeinschaltungen zu verwenden oder anderweitig zu Geld zu machen. Andererseits ist es wohl noch nicht ausreichend ins Bewusstsein gedrungen, dass Informationen von Nutzern und über Nutzer streng geschützt werden müssen.

So gut wie alle sozialen Netzwerke seien bereits gehackt und Daten von Nutzern gestohlen oder Schadprogramme eingeschleust worden, so Hendrik Speck.

Zukunftspreis für HelloWorld Network

Wichtig sei deshalb, dass die Profile der Nutzer sozialer Netzwerke, ihre Kontaktdaten, ihre Fotos, Videos und E-Mails dezentral gespeichert und verwaltet werden. Ein derartiges System bietet das HelloWorld Network, das von Studenten der Informatik der Fachhochschule Kaiserslautern am Standort Zweibrücken entwickelt wird und im vergangenen November den deutschen Zukunftspreis Kommunikation erhalten hat.

Die Anwendung läuft auf dem Desktop oder auf dem Betriebssystem Android des Mobiltelefons G1 von Google und T-Mobile, das seit kurzem auf dem Markt ist.

HelloWorld ist Open Source Software und setzt auch auf offene Standards wie OpenSocial, eine Schnittstelle von Google, die den Export von Profildaten aus sozialen Netzwerken ermöglicht, weiters OpenID, ein dezentrales Authentifizierungssystem, das die Anmeldung mit Benutzername und Passwort ersetzt, und auf die erweiterte Auszeichnungssprache XML.

Dezentral und verschlüsselt

Die Profildaten wie Alter, Geschlecht, Wohnort, Beruf und dergleichen, die Nutzern von sozialen Netzwerken üblicherweise auf der Plattform des Netzwerk-Betreibers hinterlegen, bleiben bei HelloWorld in der Hand des Nutzers, also auf seinem Computer, Server oder Mobiltelefon. Nur, wenn er diese Daten einer vertrauenswürden Person zeigen möchte, werden sie übermittelt, und zwar verschlüsselt.

In seiner Kernfunktion verhalte sich HelloWorld ansonsten wie ein normales soziales Netzwerk, so Hendrik Speck. Bei der Software für das mobile Endgerät biete es außerdem die Möglichkeit, festzustellen, wo sich die Freunde gerade befinden, sofern diese damit einverstanden sind, lokalisiert zu werden.

Kette des Vertrauens

Ein weiterer Vorteil von HelloWorld ist, dass der Nutzer sich nicht bei jedem sozialen Netzwerk neu anmelden muss, sondern seine Identität durch ein dezentrales Authentifizierungssystem nachweisen kann.

Wichtig sei auch, so Hendrik Speck, dass die Nutzer nicht 70 verschiedene Privacy-Einstellungen vornehmen müssten, was sie aus Bequemlichkeit dann ohnehin nicht tun würden. Stattdessen setze HelloWorld auf eine "Kette des Vertrauens".

Wenn bereits sieben meiner Freunde einen Kai Müller als echten ehemaligen Schulkameraden erkannt hätten, dann könne auch ich ihm vertrauen und ihn mein Profil ansehen lassen.

Um neue Nutzer kennenlernen zu können - was vor allem bei Businessnetzwerken wichtig ist - oder um von alten Bekannten gefunden werden zu können, ist es möglich, eine reduzierte Visitenkarte mit Daten, die jeder sehen darf, ins Netz zu stellen, und eventuell ein Foto anzufügen.

Natürlich könne man damit nicht verhindern, dass Freunde die ihnen anvertrauten Informationen eines Tages an Unbefugte weitergeben, wenn es mit der Freundschaft zu Ende ist, gibt Hendrik Speck zu. Aber das sei im "realen" Leben genauso.

Links

Helloworld Network

Hendrik Speck

HelloWorld Goes Mobile

HelloWorld Wiki - Helloworld Framework für Entwickler

Sourceforge.net - Helloworld Framework für Entwickler

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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