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Radler, Christian. Google startet 'Google Checkout'. 'Eigentlich ist das Notwehr'. Tagesschau. June 29, 2006.

Google startet 'Google Checkout'. 'Eigentlich ist das Notwehr'.

Googles jüngstes Projekt, der Bezahldienst "Checkout", war die logische Folge eines Bündnisses von Ebay und Yahoo, sagt der Kaiserslauterner Informatik-Professor Hendrik Speck. Im Gespräch mit tagesschau.de führt er zudem aus, wie dem Online-Kaufhaus Amazon durch Google die Kunden abhanden kommen könnten.

Professor Hendrik Speck lehrt an der FH Kaiserlautern Informatik. Er hat unter anderem an dem Buch "Die Google-Gesellschaft" mitgearbeitet.

tagesschau.de: Herr Speck, wie bewerten Sie Googles Entschluss, mit "Google Checkout" ins Online-Bezahlgeschäft einzusteigen?

Hendrik Speck: Eigentlich ist das Notwehr: Nachdem Googles direkter Konkurrent Yahoo sich mit der Versteigerungsplattform Ebay und dem Bezahlsystem Paypal zusammen getan hatte, blieb Google nicht anderes übrig. Mit der Klappe "Checkout" schlägt Google aber noch zwei andere Fliegen: Einerseits geht es darum, mehr Händler an Googles "AdWords"-Kundensysteme zu binden. Damit verkauft Google unter anderem seine Werbeflächen, und 99 Prozent des Firmenumsatzes stammen aus diesem Anzeigengeschäft. Zudem werde ich, wenn ich als User demnächst einen Artikel online kaufe, vermutlich auch auswählen können, wie ich bezahle: per Kreditkarte, per Paypal-Bezahlung oder mit Googles "Checkout".

Rabatte locken

tagesschau.de: Warum sollte ich mich als kleiner Konsument oder Online-Händler auf "Checkout" einlassen?

Speck: "Checkout" wird – so ist bisher zu hören – Rabatte für Einzelkunden und Händler gewähren. Das ist am US-Markt, wo das Bezahlsystem zunächst eingeführt wird, üblicher als bei uns. Im Falle Google wird es dazu führen, dass die Analyse des Shoppingverhaltens seiner User erheblich verbessert wird. Bislang weist Google in dem Bereich dramatische Schwächen auf, denn es hat ja nur die Preissuchmaschine "Froogle" anzubieten. Doch künftig wird Google noch detailiertere Nutzerprofile erstellen können.

Google ist Datensammler, Werbevermarkter, Suchmaschine und jetzt auch Bezahldienst.

tagesschau.de: Stichwort Datenschutz: Spielt es aus europäischer Sicht überhaupt eine Rolle, welche amerikanische Firma meine Nutzerdaten einsammelt und dann kommerziell verwertet?

Speck: Als europäischer User muss man sich klar machen: Die Daten der US-Bürger werden bei einer Firma wie Google nach amerikanischem Recht behandelt. Dank der Antiterror-Gesetze unter dem "Patriot Act" wird dieses Recht aber nicht auf nichtamerikanische User angewandt. In welche Richtung das geht, zeigt unter anderem das Ausspionieren internationaler Banküberweisungen durch US-Behörden, das letzte Woche bekannt wurde. Datenlieferant war eine belgische Firma. Was aus Daten wird, die eine amerikanische Firma gespeichert hat, kann man sich denken.

Wozu künftig noch zu Amazon?

tagesschau.de: Wie gefährdet ist eigentlich das Geschäftsmodell des Online-Kaufhauses Amazon durch Googles neuen Dienst?

Googlezon - noch ist das eine Internet-Utopie, die in dem Kultfilm "Epic 2014" beschrieben wird.

Speck: Amazon wird direkt angegriffen. Doch momentan ist Amazon der größte Einzelhändler im Netz, mit einer entsprechenden Struktur. Bis Google da heranreicht, dauert es noch sehr lange. Was “Google Checkout” allerdings machen kann, ist dies: Potenziellen Käufern, die Amazon noch nicht an sich gebunden hat, während der Informationssuche Artikel zum Kauf anzubieten. Und das noch bevor diese User formal in einen Online-Shop gegangen sind. Es gibt aber noch eine weitere Entwicklung: Google wird künftig mehr und mehr als Portal verstanden werden, und sich weg von der reinen Suchmaschine entwickeln. All das steigert die Monopolmacht Googles weiter.

Die Fragen stellte Christian Radler, tagesschau.de

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
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