Press  »  Die mächtige Riesenkrake im Internet. Die Suchmaschine wird zur zentralen Verteilerstelle im Informationszeitalter

Intemann, Bernd-Rainer. Die mächtige Riesenkrake im Internet. Die Suchmaschine wird zur zentralen Verteilerstelle im Informationszeitalter. Heilbronner Stimme. Onlineportal Stimme. October 11, 2006.

Die mächtige Riesenkrake im Internet. Die Suchmaschine wird zur zentralen Verteilerstelle im Informationszeitalter

Private Daten: Die Suchmaschine speichert auch Informationen über ihre Nutzer.

Google gibt den Nutzern, was sie wissen wollen. Und speichert dabei, was man über den Nutzer weiß. „Don‘ t be evil - tu nichts Böses“ lautet die Maxime der Internetsuchmaschine.Wirklich?

80 Prozent aller Suchanfragen werden von Google beantwortet. Die Firma allein entscheidet, welche Seiten in welcher Reihenfolge angezeigt werden. „Was man bei Google nicht findet, gibt es nicht.“ Die meisten Surfer haben längst vergessen, dass diese Ergebnisse nicht das ganze Internet abbilden. Dabei durchsucht die Maschine nur den eigenen Index, in dem rund 12 Milliarden Webseiten erfasst sind. Viele, aber eben nicht alle.

Erfolgsgeschichte Hinter der Suchmaschine steht die einzigartige Erfolgsgeschichte zweier Computerfreaks. In einer Garage gründeten die Studenten Larry Page und Sergey Brin im September 1998 ihre Firma. Inzwischen hat Google 6000 Mitarbeiter und überragt mit seinem Börsenwert von 100 Milliarden Dollar sogar die Deutsche Bank und Daimler-Chrysler. 200 000 weltweit verstreute Rechner speichern ein ständig wachsendes Datenmeer. Sogar das ganze in Büchern gesammelte Wissen wird eingescannt und soll bald verfügbar sein. Mit dem Kauf der Video-Plattform YouTube hat man nochmals die Zahl der User beträchtlich erhöht.

Seitenbewertung Googles Erfolgsgeheimnis lautet: Man sucht nicht nur Seiten, sondern bewertet sie. Je öfter andere Seiten auf eine Homepage verweisen und je aktueller die Hinweise sind, um so bedeutender wird sie eingestuft. Mit diesem „Page Rank“ haben Brin und Page Konkurrenten wie Altavista, wo die Ergebnisse gleich wichtig sind, aus dem Feld geschlagen. De facto hat Google nun das Monopol bei der Zuteilung des wichtigsten Rohstoffs unseres Zeitalters: der Information.

Der Wissenschaftler Hendrik Speck vergleicht die Suchmaschine mit einer Bibliothekarin, die unkontrolliert und nach eigenem Gutdünken Bücher verleiht oder vorenthält. Hinzukommt, dass Google Informationen nicht nur wertet, sondern auch zensiert. Verständnis findet die Firma, wenn sie den gesetzlichen Jugendschutz beachtet. Schüler, die sich über die NSDAP informieren wollen, werden davor bewahrt, auf Seiten mit rechtextremistischen Inhalten zu landen. Auch Porno-Seiten sind geblockt.

In China kam es allerdings zum Sündenfall. Dort wird auch die politische Zensur der Regierung akzeptiert. Seine Macht hat Google auch BMW spüren lassen. Der Autohersteller wollte durch Manipulationen seine Positionierung bei den Suchergebnissen verbessern. Schließlich werden nur die ersten 20 Hinweise von den meisten Usern gelesen. Daraufhin flogen die Münchner Anfang des Jahres für einige Tage komplett aus dem Index heraus. Eine Suche nach BMW ergab null Treffer. Klar, dass die Autobauer schnellstens Abbitte leisteten.

Neue Dienste Was kaum beachtet wird: die Firma stellt nicht nur Informationen zur Verfügung. Man sammelt auch Daten über den Nutzer, besonders durch kostenlose Zusatzdienste wie E-Mail oder die Einkauf-Suchmaschine Froogle. „Jeder, der mit Hilfe von Google etwas sucht oder eine E-Mail schreibt, muss wissen, dass sämtliche Daten gespeichert und zurückverfolgt werden können“, warnt David Vise, Autor des Buches „Die Google-Story“.

Noch heikler wird die Situation, wenn der Computer-Anwender die Desktopsuchmaschine installiert, die den eigenen Rechner durchforstet und schnell alle Dokumente finden kann. Kevin Bankston, Anwalt der US-Bürgerrechtsbewegung Electonic Frontier Foundation ist besorgt: „Wenn man Google Desktop nicht vorsichtig konfiguriert, verfügt die Firma über Kopien der Steuererklärung, Liebesbriefe, Finanz- und Gesundheitsunterlagen“.

Google häuft somit die weltgrößte Sammlung privater Daten an. Niemand weiß, wo die Server mit den Informationen überhaupt stehen. Vor allem sind sie eine Goldmine für Ermittler und Strafverfolger. Bislang hat sich Google gegenüber deren Neugier aber standhaft gezeigt. Doch bei einer privaten Firma kann niemand sicher sein, ob das auch in Zukunft so bleibt.

Misstrauen Selbst wenn die Firma gemäß ihrem Motto „Tu nichts Böses“ den Nutzern nicht schaden will, sind Kritiker über die gigantische Datenansammlung besorgt. Der Dortmunder Medienwissenschaftler Marcel Machill wirft Google vor, sich schlicht vor der enormen Verantwortung zu drücken, die solche Zentralstelle im Internet mit sich bringt. Machill ruft nicht nach gesetzlichen Maßnahmen, sondern verlangt, dass die Suchmaschinen ihre Arbeitsweise und Seitenbewertung für jeden durchschaubar machen. Der Chef der Landesmedienanstalt in Nordrhein-Westfalen, Norbert Schneider, verlangt dagegen, Suchmaschinen künftig wie Fernsehsender zu kontrollieren. „Medienmacht, die bis in die Haarspitzen einer Gesellschaft wirkt, braucht Kontrolle.“ Google bestreitet seine Monopolstellung. Die nächste alternative Suchmaschine sei immer nur einen Klick entfernt.

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

Call Prof. Hendrik Speck with Sykpe Chat with Prof. Hendrik Speck

See Xing Profile of Prof. Hendrik Speck See Projects and Programs of Prof. Hendrik Speck

* Click here to View larger map.