Press  »  Demonstrieren im Netz. Im Internet hat sich eine Protestkultur entwickelt

Deutskens, Annette. Demonstrieren im Netz. Im Internet hat sich eine Protestkultur entwickelt. 1Live. Westdeutscher Rundfunk. April 3, 2009.

Demonstrieren im Netz. Im Internet hat sich eine Protestkultur entwickelt.

Politiker aus 20 Ländern saßen in diesen Tagen beim G20-Gipfel in London zusammen und machten Weltpolitik. Währenddessen gingen Globalisierungs- und Gipfelgegner auf die Straßen, um unter anderem gegen die Finanzpolitik der Industrieländer zu demonstrieren. Aber der Protest findet längst nicht mehr nur auf der Straße statt. Auch im Internet hat sich in den letzten Jahren eine Protestkultur entwickelt.

In Online-Netzwerken kann man quasi vom Sofa aus für oder gegen die verschiedensten Dinge demonstrieren. Das größte internationale Netzwerk dieser Art ist "avaaz.org" mit mehr als drei Millionen Mitgliedern auf der ganzen Welt. Bei avaaz.org ist der G20-Gipfel im Moment ein Riesenthema. Wer die Seite besucht, kann zum Beispiel eine Petition für eine nachhaltigere Wirtschaftspolitik ausfüllen. Die avaaz-Leute leiten die gesammelten Petitionen dann an die Entscheidungsträger weiter.

Das größte deutsche Protest-Netzwerk heißt "campact.de" und steht schwerpunktmäßig für Öko-Themen. "Vorbild war für uns das amerikanische Netzwerk moveon.org", erklärt campact-Mitgründer Christoph Bautz. Moveon.org ist durch seinen Protest gegen den Irakkrieg bekannt geworden.

Vom Netz auf die Straße

campact.de hat mittlerweile mehr als 100.000 Mitglieder, die über Newsletter auf dem Laufenden gehalten werden. Darin steht, wogegen sie gerade protestieren können. Die campact-Mitarbeiter starten ihre Aktionen immer im Netz, gehen dann aber oft zusätzlich auf die Straße, um medienwirksam zu protestieren. Und zwar dort, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Vor dem Reichstag in Berlin haben sie zum Beispiel mal 13.000 Luftballons fliegen lassen - das sollte den Pollenflug von genmanipulierten Pflanzen symbolisieren.

Der Protest der Netzwerke ist zum einen wirkungsvoll durch solche Aktionen, aber auch die Protestmails können zum Erfolg führen - wenn man sie an die richtige Adresse schickt. Und die richtige Adresse heißt in dem Fall nicht, die des ranghöchsten Politikers, im Gegenteil. Oft erzielt man die größte Wirkung, wenn man sich direkt an den Bundestagsabgeordneten im eigenen Wahlkreis wendet, sagt Christoph Bautz: "Der bekommt dann vielleicht 100 oder 200 Mails, aber von Menschen vor Ort. Auf die wird er hören, denn das sind seine Wähler und die werden im Bekanntenkreis erzählen, wie sich der Abgeordnete positioniert." Auch beim Thema Gentechnik hat campact das so gemacht. 200 Abgeordnete haben zurückgeschrieben und haben Kontakt zu den Menschen in ihrem Wahlkreis aufgenommen.

Günstig und effizient. So einfach ist Protest 2.0.

Bei campact.de ist man sich sicher, dass der Einfluss solcher Online-Netzwerke in der Zukunft noch steigen wird. Bei dem deutschen Netzwerk sind allein in diesem Jahr 25.000 neue "Online-Protestler" dazugekommen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der des Medienwissenschaftlers Professor Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern. "Ich gehe davon aus, dass die Bedeutung derartiger Artikulationsmedien steigt", sagt er. "Nicht zuletzt deshalb, weil es sehr kostengünstig und sehr effizient ist." Innerhalb kürzester Zeit können die Netzwerke eine relativ große Öffentlichkeit erreichen.

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

Office: Building O, Room O 017

E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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