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Werner, Marie-Christine. Datenschutz im Internet. Spioniert uns Google aus? SWR. Südwestrundfunk. Ratgeber Multimedia. November 14, 2008 or Werner, Marie-Christine. Google - gefährlicher als Geheimdienste? Marie-Christine Werner im Gespräch mit Professor Hendrik Speck von der FH Kaiserslautern. Journal am Mittag. SWR2. November 14, 2008. Audio 5:57min

Datenschutz im Internet. Spioniert uns Google aus?

Datenschutz im InternetSpioniert uns Google aus?

Suchen, E-Mails schreiben, Videos schauen - an Google kommt im Internet keiner mehr vorbei. Doch jeder Nutzer hinterlässt beim Surfen Spuren. Hendrik Speck, Professor für Informatik an der FH Kaiserslautern, findet das bedenklich. Im Interview benennt er die Risiken der Internet-Suchmaschine und erzählt, wie man sich schützen kann.

Marie-Christine Werner: Herr Prof. Speck, was macht Google so problematisch?

Hendrik Speck: Problematisch ist der Erfolg dieser Suchmaschine. Google bietet sehr hochwertige und qualifizierte Dienste an, die von Millionen von Nutzern verwendet werden. Der Großteil dieser vermeintlich kostenlosen Dienste basieren im Grunde auf einer Art Datenprostitution. Das heißt: Im Austausch für die gesuchten Informationen geben die Google-Nutzer einen Großteil Ihrer Privatsphäre auf. Bedenklich finde ich auch, dass sich durch diese Popularität die Daten der Nutzer bei einem privaten ausländischen Datenbetreiber anhäufen, über die sie nach deutschen Gesetzen keine Kontrolle mehr haben.

Wenn ich einen x-beliebigen Begriff bei Google suche, gebe ich doch noch nichts Persönliches preis?

Google kann die Nutzergewohnheiten auf bestimmten Rechnern durch die Kombination verschiedener Google-Dienste, Dienstleistungen oder Werbeflächen zurückverfolgen. So können sehr detaillierte Profile der jeweiligen Nutzer entstehen. Das macht sie dann wesentlich transparenter als ihnen lieb ist. Es wäre also nicht abwegig, wenn beispielsweise nach einer Suche über einen Schwangerschaftstest neun Monate später die ersten Windel-Sets angeboten würden. Und dann könnten sozusagen mit dem Wachsen des virtuellen Kindes weitere dementsprechende Werbeangebote eingeblendet werden.

Sieht jeder Nutzer andere Werbeangebote auf dem Bildschirm?

Die Geschäftsmodelle solcher Suchmaschinen oder Werbeflächen beruhen im Grunde genommen darauf, dass sie sehr spezialisierte Kundenprofile anonymisiert an ihre Werbekunden weitergeben. Und je mehr Wissen über den entsprechenden Nutzer existiert, umso mehr zahlen natürlich auch Werbende für das entsprechende Profil oder für die Möglichkeit die entsprechende Werbung einzublenden.

Sie sagten einmal, gegenüber Google erscheine mancher Geheimdienst wie ein Kinderschutzbund. Ist das nicht etwas übertrieben?

Die Datenmengen, die dort erhoben werden, gehen bei weitem über das hinaus, was staatlich legitimierte Organisationen in Deutschland einsammeln können. Sie unterliegen sehr strengen Datenschutzgesetzen und ganz klaren behördlichen Auflagen. Das ist bei Privatinstitutionen längst nicht mehr der Fall. Noch schwieriger wird es, wenn es sich dabei um ausländische Firmen handelt.

Wie kann man sich davor schützen?

Generell ist es sinnvoll, sich zu überlegen, welche Daten man wo hinterlässt und welche Konsequenzen das haben könnte. Man sollte versuchen seine Daten zu minimieren. Das heißt, die Internet-Nutzer müssen sich überlegen, welche Daten sie preisgeben, um auf einer bestimmten Plattform zu agieren und ob man diese entsprechend wieder löschen kann. Weiter sollten sie auch im Cookie entfernt werden. Man könnte auch einen Internet-Browser benutzen, der das Bespitzeln schwieriger macht. Außerdem sollte man in bestimmten sozialen Netzwerken - wie Studi-VZ, Facebook oder MySpace - nicht sein komplettes Privatleben offenbaren. Die Hauptfrage ist hier, welche Alternativen es gibt.

Haben nicht alle Suchmaschinen im Endeffekt das gleiche Interesse?

Jedem sollte natürlich klar sein, dass sämtliche anderen Wettbewerber, unabhängig davon, ob es sich um Suchmaschinen wie zum Beispiel Yahoo oder soziale Netzwerke handelt, mit mehr oder weniger gleichen Methoden arbeiten. Das heißt, das Problem betrifft nicht nur Google, sondern auch viele andere Firmen.

Das Gespräch mit Prof. Hendrik Speck führte Marie-Christine Werner in der Sendung "SWR2 Journal am Mittag".

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

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E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
Phone: +49 631 3724 5360

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