Press  »  Das virtuelle Leben nach dem Tod. Nutzer von Sozialen Netzwerken im Internet drohen häufig länger zu leben, als ihnen lieb sein kann.

Manz, Sebastian. Das virtuelle Leben nach dem Tod. Nutzer von Sozialen Netzwerken im Internet drohen häufig länger zu leben, als ihnen lieb sein kann. Weser Kurier. September 20, 2009. Page 7.

Das virtuelle Leben nach dem Tod. Nutzer von Sozialen Netzwerken im Internet drohen häufig länger zu leben, als ihnen lieb sein kann.

Soziale Netzwerke im Internet boomen. Jeder zweite Deutsche zwischen 14 und 29 Jahren hat bereits ein persönliches Profil bei einer der Plattformen angelegt. Immer mehr Menschen verlagern einen Großteil ihres sozialen Lebens auf die virtuellen Spielwiesen. Doch was passiert mit der virtuellen Identität, wenn eine Person verstirbt? Die Anbieter behaupten, sie hätten für solche Fälle an alles gedacht. Experten halten die Regelungen jedoch mitunter für sehr problematisch.

Laut den Betreibern klingt die Sachlage völlig unkompliziert. „Sobald wir Kenntnis von einem verstorbenen Nutzer haben, sperren wir das Profil zunächst und setzen uns dann schnellstmöglich mit den Angehörigen in Verbindung, um mit ihnen gemeinsam zu klären, ob das Profil gelöscht werden oder bestehen bleiben soll“, sagt Dirk Hensen. Er ist Sprecher der Firma VZnet Netzwerke, die unter anderem die Plattformen Schüler- und Studi-VZ betreibt. Über 15 Millionen Menschen im deutschsprachigen Raum nutzen eines der Angebote des Unternehmens. Ähnlich wie VZnet verfahren auch diemeisten Konkurrenzanbieter. Die Betreiber von Facebook überlassen den Hinterbliebenen die Entscheidung, ob das Profil des Verstorbenen endgültig gelöscht oder in einen Gedenk-Status überführt werden soll. Letztere Option bietet Freunden und Verwandten die Möglichkeit, sich an einer Art virtuellen Gedenkstätte des Dahingeschiedenen auszutauschen. Was von den Unternehmen als sinnvolle Lösung dargestellt wird, hält Medienexperte Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern für problematisch. „Die Netzwerkbetreiber werden bei weitem nicht über alle Todesfälle sofort informiert“, erklärt der Professor für Digitale Medien. Zahlreiche Profile von Verstorbenen samt privater Fotos, Nachrichten und Daten sind theoretisch auch Jahre nach dem Ableben der Inhaber frei zugänglich.

„Soziale Netzwerke sind das neue Massenmedium einer ganzen Generation, aber sie sind nicht in die Medienlandschaft eingebettet“, sagt Speck. Es gebe im Vergleich zu anderen Medien bei Social Networks keine sauberen Verfahren, wie mit Daten von Privatpersonen umgegangen werden darf. Laut den Geschäftsbedingungen, auf die sich die Nutzer einlassen, können die Betreiber über sämtliche gespeicherten Informationen von Verstorbenen nach Belieben verfügen. Speck: „Das Geschäftsprinzip von Social Networks baut nun mal auf Datenprostitution.“ Rund um das Thema Tod und Internetpräsenz haben sich mittlerweile zahlreiche Dienstleister in Position gebracht, die mit ihren Angeboten die Sorge vor den Todesfolgen mindern wollen. Die Frankfurter Firma Last Message (Letzte Nachricht) bietet etwa zum Sommer-Sondertarif von 49 Euro ein Rundum-Sorglospaket an. Im Todesfall wird das Unternehmen von einer Vertrauensperson des Verstorbenen informiert und benachrichtigt daraufhin sämtliche Kontakte in Sozialen Netzwerken vom Ableben des Kunden. Anschließend sorgt Last Message für die Löschung sämtlicher Social Network-Profile. Während eines Beinahe-Flugzeugabsturzes will Firmengründer Oliver Wolf auf die Idee für den Service gekommen sein. „Diese Grenzerfahrung hat mir verdeutlicht, wie unvorhergesehen manche Ereignisse stattfinden“, sagt er. Vorhersehbarer ist die Situation, in der sich die Betreiber der Portale in einigen Jahren befinden dürften. Solange die Klientel jung ist und niedrige Sterberaten aufweist, ist das Thema Tod und dessen Abwicklung eine Nebensache. Manche Unternehmen ahnen aber bereits, dass hier Reformbedarf herrscht. Eine Facebook-Sprecherin: „Da kommt ordentlich was auf uns zu.“

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Professor Hendrik Speck. 2007.

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