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Settele, Claude. Das Schlüsselloch Internet. Suchmaschine serviert Personendaten. Neue Zürcher Zeitung. February 5, 2008.

Das Schlüsselloch Internet. Suchmaschine serviert Personendaten.

Nicht nur Personalchefs durchforsten Suchmaschinen, um Informationen über einen Stellenbewerber zu finden. Das zum Volkssport gewordene Googeln von Personen hat einige Unternehmen veranlasst, Meta-Suchmaschinen zu bauen, die zahlreiche Quellen anzapfen wie Suchmaschinen, Youtube, Telefonbücher und natürlich soziale Netzwerke wie Myspace, Facebook oder Xing. Hier hinterlegen Surfer Daten und viel Persönliches, meist arglos, mitunter auch zügellos. In den sozialen Netzen gebe es über Personen mehr Daten, als die Stasi je hatte, sagte warnend Hendrik Speck, Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern, vergangene Woche. Fast zeitgleich startete die österreichische Meta-Suchmaschine namens 123people und ging laut den Betreibern aufgrund des Ansturms gleich in die Knie.

Als Vorbild dienen ihr vergleichbare Sites wie Spock.com oder Wink.com, die schon Daten von 300 Millionen Leuten gesammelt haben will. Der Zulauf ist gross, was nicht erstaunt, sind doch Voyeurismus wie Exhibitionismus in der menschlichen DNA gut verankert. Mehr erstaunen mag hingegen, was einem beispielsweise 123people alles auf dem Tablett serviert. Man kann es nicht lassen, tippt die Namen von Promis, Halbpromis und Kollegen ein und findet Links, Mail- und Haus-Adressen, Telefonnummern, Fotos und auch einmal ein Video. Je seltener ein Name, umso grösser ist die Chance, dass die Informationen auch zur entsprechenden Person gehören. In der Regel liefern solche Suchmaschinen jedoch einen undurchschaubaren Mix mit Daten und Fotos diverser Personen. Zum «Profil» gehört auch eine Tag-Cloud, eine Wolke, die mit einer Person in Zusammenhang gebrachte Schlagworte in Relation zur Häufigkeit der Nennung unterschiedlich gross darstellt. Solche Wolken locken zum Weiterklicken. Ein harmloses Beispiel: In der Tag-Cloud des in aller Regel souveränen TV-Moderators Stefan Klapproth nimmt das Wort «Versprecher» den meisten Platz ein. Ein verlinktes Video auf Youtube zeigt eine alte Sendung, in der Klapproth bei der Anmoderation zu einem Bericht über den Papst das Wort Kruzifik entfuhr.

Das Netz ist gnadenlos und lässt die Vergangenheit nicht ruhen. Geht es um heiklere Daten als belanglose Pannen, ist das weniger lustig. Lügen bringt man bekanntlich kaum mehr aus dem Netz, und die Betroffenen haben, wie Hendrik Speck moniert, kaum Kontrollen über ihre Daten. Stimmt nicht, meint die deutsche Personen-Suchmaschine Yasni. Ihre Plattform biete die Möglichkeit, seinen guten Ruf zu wahren, indem man sein Profil gleich selber erstellen und damit falsche und Namensvetter betreffende Informationen ausschalten könne. Ein Link auf die Website schürt allerdings den Argwohn. Yasni verspricht, innert 24 Stunden zusätzliches Material zu einer Person zu liefern, und bietet quasi eine virtuelle Beschattung an: Man kann sich per Mail wöchentlich über alle neuen Suchergebnisse zu einer Person informieren lassen. Die Akte wächst, und der Voyeur wird zum Detektiv.

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

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