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Rohwedder, Wulf. Das Problem mit den Suchmaschinen. Auch im Internet - Nichts ist umsonst. Tagesschau. December 28, 2004.

Das Problem mit den Suchmaschinen. Auch im Internet - Nichts ist umsonst.

Ob man mit Suchmaschinen die besten Antworten auf offene Fragen erhält, ist fraglich. Sicher ist, dass die Betreiber dieser Seiten viel über ihre Nutzer erfahren. Der "Chaos Communication Congress" klärte auf, wie viel jeder Besucher bei Google und Co. unfreiwillig von sich preisgibt.

Wozu noch Bibliotheken? Schneller, aktueller, vollständiger und bequemer als aus dem Internet kann man Informationen kaum noch bekommen. Das glauben zumindest immer mehr Menschen. Schnell ein paar Stichwörter in eine Suchmaschine eingegeben, schon ist man fertig. Ein Irrglaube, wie Frédéric Philipp Thiele auf dem "Chaos Communication Congress" erläutert.

Viele Benutzer von Suchmaschinen gehen gleich auf die erste Seite, die ihnen angeboten wird. Sie geben nur ein oder wenige Stichwörter ein, um ihre Suche einzugrenzen, weitere Optionen wie logische Operatoren werden kaum genutzt. Das Ergebnis bleibt dadurch oft zufällig.

Nichts ist älter als eine Web-Seite von gestern

2004: Die Börse in New York begrüßt Google im Nasdaq

Bleibt der Vorteil der Aktualität. Doch gibt es ihn wirklich? Tatsächlich können von der Erstellung einer Seite bis zur Registrierung in einer Suchmaschine viele Monate vergehen, sofern sie überhaupt gefunden wird: Fällt sie mangels ausreichender Verlinkung oder aufgrund der Bewertungskriterien durch das Raster, wird sie gar nicht aufgenommen. So kommt es vor, dass wichtige Informationen nicht in den Suchmaschinen vorhanden sind, während veraltete oder gar nicht mehr existierende Seiten weiter geführt werden.

Lob lässt sich kaufen

Und die Qualität der Seiten? Die automatische Bewertung durch die Suchmaschinen ist nicht nur sehr wenig transparent, sondern durch technische Tricks im höchsten Maße manipulierbar. Manche Betreiber von Suchmaschinen lassen sich sogar direkt für bessere Platzierungen bezahlen, positive Google-Bewertungen sind inzwischen sogar begehrte Handelsware beim Online-Auktionshaus eBay.

So muss sich zum Beispiel ein Schüler, der in diesen Tagen einen Aufsatz über das antike Troja schreiben soll, auf Google zunächst durch Dutzende Links zum aktuellen Hollywoodstreifen kämpfen, bis er auf relevante Informationen stößt.

Die Zensur der Suchmaschinen

Die Google-Webseite

Noch problematischer wird es, wenn Suchmaschinenbetreiber aus kommerziellen oder politischen Gründen aktiv in die Inhalte eingreifen: So arrangierte sich Google mit der chinesischen Regierung: Anfragen von Chinesen nach bestimmten, politisch besetzen Suchbegriffen durften auf offizielle chinesische Staatsserver umgelenkt werden. Kamen diese Anfragen öfter vor, wurde für den Nutzer der Zugang zu Google zeitweise ganz gesperrt.

Die Scientology-Sekte nutzt, so Thiele, das amerikanische Urheberrechtsgesetz, um Google-Links auf Seiten löschen zu lassen, die Kritik an der Organisation übten. Werden auf der deutschen Google-Seite bestimmte Suchbegriffe eingegeben, so werden einzelne Ergebnisse ausgelassen, die im US-Pendant angezeigt werden. In keinem dieser Fälle wird der Nutzer auf den aktiven Eingriff in die Inhalte hingewiesen.

Google is watching you

So restriktiv die Informationspolitik der Suchmaschinenanbiete über ihre Auswahl- und Bewertungskriterien ist, um so mehr wissen sie über eigene Nutzer. Google legt zum Beispiel bei jedem Internetnutzer, der die Seite besucht, eine Datei auf seinem Computer, einen so genannten Cookie an. Mit diesem ist er bei jedem weiteren Aufruf einer Google-Seite wiedererkennbar - und das bis zum Jahr 2038. Im Kleingedruckten der Google-Geschäftsbedingungen steht, dass so erlangte Nutzerdaten wie Suchanfragen gespeichert werden dürfen.

Nutzt man den Google-e-Mail-Service "Gmail", räumt man der Firma zusätzlich das Recht ein, gesendete wie empfangene Mails inhaltlich auszuwerten und die Informationen zu Marketingzwecken weiterzureichen. Das ebenfalls kostenlos angebotene Zusatzprogramm "GoogleToolbar" ermöglicht es, das Surfverhalten des Anwenders genau zu dokumentieren, während der Google-Dienst "Froogle" ein gutes Abbild des Kaufverhaltens liefert.

Der "nackte" Google-Nutzer

Google behält sich zudem vor, die Daten an einem beliebigen Ort der Welt zu speichern - nationale Datenschutzbestimmungen greifen so kaum noch. Interessen, Mail-Kontakte, Käufe - mehr kann man über einen Internet-Nutzer kaum herausbekommen. Googles Datenschatz ist ein wahrer Traum - sowohl für Marketingfirmen als auch für Polizei und Geheimdienste. Nur die, die darin "einzahlen", werden nicht gefragt.

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Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
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