Press  »  Algorithmen schon in der Grundschule vermitteln. Das Interesse an technischen Fächern muss früh geweckt werden

Seegmüller, Kirsten. Algorithmen schon in der Grundschule vermitteln. Das Interesse an technischen Fächern muss früh geweckt werden. Computer Zeitung. December 7, 2007.

Algorithmen schon in der Grundschule vermitteln. Das Interesse an technischen Fächern muss früh geweckt werden

Das Interesse an technischen Fächern muss früh geweckt werden

IT-Wettbewerbe sollen nicht nur neue Produkte, Verfahren und Anwendungen hervorbringen, sondern auch den Nachwuchs für ein Informatikstudium animieren. Der Fachkräftemangel kann damit zwar nicht sofort, aber langfristig behoben werden. Aber nur, wenn man die Kinder und Jugendlichen rechtzeitig anspricht.

Roboter spielen Fußball, servieren Kaffee oder klettern über Trümmerfelder, um nach einem Erdbeben Überlebende zu finden. Das jedenfalls sind die Themen, mit denen sich die Teams des Robocup-Wettbewerbs beschäftigen. „Das Interesse steigt kontinuierlich“, beobachtet Organisator Ansgar Bredenfeld, der beim Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme (IAIS) das Geschäftsfeld Ausbildungsrobotik betreut.

Die Aufgaben sind unterschiedlich: Während die Fußballer aus Metall in der Lage sein müssen, Bilder zu verarbeiten, brauchen die Rescue-Roboter Sensoren, die kleinste Mengen an Kohlendioxid in der Luft aufspüren, damit sie den Rettern den Weg weisen können. Und Service-Roboter zu Hause müssen verstehen, wann sie staubsaugen sollen.

„IT-Wettbewerbe sollen mehr Menschen für die Technik begeistern“, so Bredenfeld. Da reicht es nicht, Studierende und Wissenschaftler der Informatik anzusprechen, die sich sowieso schon mit der Materie befassen. „Bildungsforscher sind sich einig, dass junge Menschen bereits im Alter von 13 bis 16 Jahren entscheiden, ob sie ein technisches oder geisteswissenschaftliches Studium anstreben“ , erklärt Professor Hermann Eul, Mitglied des Hauptvorstands im IT-Dachverband Bitkom. Wolfgang Pohl, Leiter des Bundeswettbewerbs Informatik (www.bwinf.de), bestätigt: „Wenn man nur Abiturienten anspricht, ist es schon zu spät, denn die Berufswahl erfolgt mit 15 oder 16. Da muss man rechtzeitig am Ball sein.“

Das hat sich auch bei den Robocup German Open gezeigt. Daher können Schüler zwischen zehn und 19 Jahren am Robocup Junior teilnehmen. Neben Robosoccer und Rescue gibt es die Kategorie Robodance, in der sich aber nicht nur Mädchen tummeln. „Der Nachwuchswettbewerb kann dazu beitragen, dass sich später mehr Frauen für ein technisches Studium entscheiden“, glaubt Bredenfeld. Die Zahlen sprechen für sich: Von 2005 bis 2007 hat sich der Mädchenanteil im Junior-Wettbewerb von zwölf auf 29 Prozent mehr als verdoppelt. Im Senior-Programm sind es aber nur acht Prozent Frauen. Anmeldeschluss ist der 8. Januar 2008 (www.robocup-german-open.de).

Der Grundstein für mehr IT-Fachkräfte wird also in der Schule gelegt. Beim Bundeswettbewerb Informatik ist das Interesse jedoch gesunken: „In den 80er und 90er Jahren hatten wir immer zwischen 1000 und 2000 Teilnehmer“, erinnert sich Pohl. Vor sechs Jahren war mit 550 Anmeldungen ein Tiefpunkt erreicht, heute sind es wieder 850. „Das hat nichts mit der konjunkturellen Entwicklung zu tun“, stellt der Experte klar, „das liegt eher daran, dass man vor 20 Jahren mehr programmieren musste und der Anreiz dadurch größer war.“ Generell habe das Interesse an den Naturwissenschaften nachgelassen.

Informatik-Wettbewerbe für Schüler höherer Klassen und Studierende können zwar in der Fächerwahl bestärken. „Man gewinnt aber keine Interessenten dazu“, befürchtet Pohl, „denn die Teilnehmer sind bereits vorgebildet.“ Den Fachkräftemangel will er mit dem Wettbewerb Informatik-Biber angehen, der sich an Schüler aller Klassenstufen von 5 bis 13 wendet. Zu diesem Online-Wettbewerb haben sich bereits 23 000 Teilnehmer angemeldet. „Selbst Grundschüler können Informatikaufgaben lösen“, weiß Pohl aus Erfahrung, „die Kinder besprechen die Grundlagen von Verschlüsselungsverfahren und schreiben ihre ersten einfachen Programme.“ Ein Ehemaligentreffen 2006 hat gezeigt, was aus den Teilnehmern werden kann: Sie sind Wissenschaftler, Entwickler oder Programmierer, angestellt oder selbstständig, Berater oder sogar Geschäftsführer von IT-Firmen. „Da zeigt sich die ganze Bandbreite“, freut sich Pohl.

Gerade erst gestartet ist der Wettbewerb Theseus Talente, der Ideen für das Web 2.0 generieren soll. Theseus ist ein Forschungsprogramm zu semantischen Suchmaschinen, an dem Fraunhofer-Institute, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Industrie arbeiten. „Wir wollten sichergehen, dass nicht irgendwo jemand in seiner Garage sitzt und an einer Lösung bastelt, die genau zu uns passt“, sagt Organisator Hendrik Speck, Informatikprofessor an der FH Kaiserslautern.

Gearbeitet wird an Basistechnologien und einer von sechs Anwendungen – etwa der intelligenten Bildsuche in Medizindatenbanken, der Optimierung von Geschäftsprozessen oder der digitalen Sicherung von Kulturgütern. Ziel ist nicht nur, Lösungen für den Massenmarkt zu entwickeln, sondern auch den Nachwuchs zu fördern: „Natürlich bekommt nicht jeder Gewinner einen Job“, räumt Speck ein, „aber es ist denkbar, dass Studenten Stipendien erhalten oder ein Praktikum machen, freie Entwickler Web-2.0-Anwendungen für Unternehmen schreiben oder befristet eingestellt werden. Einsendeschluss: 14. April 2008, Anmeldungen unter http://theseus-programm.de/talente.

„In einem Nachwuchswettbewerb kann man nicht die schwierigsten Dinge abfragen“, so Speck, „aber innovative Ideen stammen selten von großen Firmen, sondern von ein paar kreativen Leuten.“ Damit auch Studierende teilnehmen können, werden die Aufgaben heruntergebrochen. „In Zeiten von Flickr und Youtube ist das kein Problem.“

Contact

Professor Hendrik Speck. 2007.

Prof. Hendrik Speck
University of Applied Sciences Kaiserslautern
Department of Computer Sciences
Amerikastrasse 1
66482 Zweibrücken
Germany

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E-Mail: Hendrik.Speck  (at) hs-kl (dot) de
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